COVID-19 | Praxis-Depesche 5/2020

Schwangerschaft in Zeiten von Corona

In einem aktuellen Review geben Experten Empfehlungen, wie der Arzt bei einer SARS-CoV-2-Infektion während der Schwangerschaft vorgehen sollte.

Die Datenlage zum Umgang mit COVID-19 während einer Schwangerschaft ist sehr begrenzt. Da die Infektion das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen erhöhen kann, sollte im Falle einer solchen bei Schwangeren eine engmaschige medizinische Überwachung der Mutter und des Fötus gewährleistet werden.
Prinzipiell werden Maßnahmen empfohlen wie eine frühzeitige Isolation, eine offensive Infektionskontrolle, Vermeidung von Hypovolämie, wenn notwendig Sauerstofftherapie, empirische Antibiotikatherapie bei sekundären bakteriellen Infektionen, Überwachung der Herztöne des Fötus und der Wehentätigkeit sowie bei fortschreitender respiratorischer Insuffizienz frühzeitige mechanische Beatmung und eine individualisierte Geburtsplanung in einem multidisziplinären Team. So kann zum Beispiel eine Veränderung der Herztöne beim Fötus auf eine respiratorische Verschlechterung bei der Mutter hindeuten. Wenn eine mechanische Beatmung bei der Mutter nicht mehr ausreicht, sollte eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) zum Einsatz kommen. In die Entscheidung, ob eine Geburt eingeleitet werden soll, sollte nicht nur der Zustand der Mutter einfließen, sondern die Meinung eines Neonatologen.
Bei der Behandlung einer mit COVID-19 assoziierten Lungenentzündung sollten Kortikosteroide vermieden werden. Ist der Einsatz dieser zur Lungenreifung des Fötus indiziert, sollte eine eventuelle Anwendung in Absprache mit einem Infektiologen und einem Mutter-Kind-Spezialisten erfolgen.
Bis jetzt gibt es noch keine verlässlichen Hinweise zu einer Übertragung des Virus von der Mutter auf den Fötus. Jedoch sollte das Kind einer infizierten Mutter zum Schutz - auch anderer Neugeborener - isoliert betreut werden. Über die Dauer der Isolation sollten Infektiologen und Neonatologen individuell entscheiden. Unbekannt ist auch noch, ob das Virus durch Muttermilch übertragen werden kann. In vorläufigen Studien waren Brustmilchproben von infizierten Müttern negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden. GH

Quelle: Rasmussen SA et al.: Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) and Pregnancy: What obstetricians need to know. Am J Obstet Gynecol 2020; Epub Feb 24; doi:10.1016/j.ajog.2020.02.017
ICD-Codes: U07.1

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?

Anzeige

Neu: Digitales Messen – berührungslos, schnell, mobil

Mit medi vision bringt der Hersteller medi erstmals ein berührungsloses, digitales Messtool auf den Markt. Erfahren Sie mehr im Video.