Praxistipp COVID-19

Praxis-Depesche 11/2020

Schwere Verläufe durch Autoantikörper

Fehler in der Immunabwehr könnten der Grund sein, warum SARS-CoV-2-Infektionen bei manchen Menschen einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.
Der individuelle Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion differiert immens. In einer In-vitro-Studie untersuchte ein internationales Forschungsteam Blutproben von 987 Patienten mit einer lebensbedrohlichen COVID-19-Infektion. Bei 101 Patienten fanden sich Autoantikörper, die sich gegen das körpereigene Interferon richteten und dessen Fähigkeit neutralisierten, SARS-CoV-2 zu blockieren. Diese Antikörper wurden in der Kontrollgruppe von 663 Personen mit asymptomatischer oder milder Infektion nicht gefunden und waren nur bei 4 von 1.227 gesunden Probanden vorhanden.
Die Studie ergab ebenfalls, dass die Patienten mit Autoantikörpern 25 bis 87 Jahre alt waren. 95 dieser Personen waren Männer, was die Forscher vermuten lässt, dass sich diese Art der Fehlregulation über das X-Chromosom weitervererben könnte.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass eine B-Zell-vermittelte Immunschwäche bei mindestens 2,6 % der Frauen und 12,5 % der Männer für eine lebensbedrohliche COVID-19-Pneumonie verantwortlich ist. Somit werden also mindestens 10 % der kritischen COVID-19-Verläufe von einer Autoimmunreaktion ausgelöst. DM
Quelle: Bastard P et al.: Autoantibodies against type I IFNs in patients with life-threatening COVID-19. Science 2020; 370(6515): eabd4585
ICD-Codes: U07.1
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