Melanome bei Piloten

Praxis-Depesche 11/2000

Störung der Melatonin-Ausschüttung könnte Risiko erhöhen

In einer isländischen retrospektiven Kohortenstudie wurde untersucht, inwieweit isländische Piloten, die internationale Langstreckenflüge durchführen, ein erhöhtes Risiko für ein malignes Melanom haben.

Für die Studie wurden die Daten von 458 Piloten ausgewertet, die für eine kommerzielle Fluglinie mit internationalen Flügen arbeiten. Datenquelle ist das Krebsregister, in dem die Piloten eine Untergruppe bilden. Das standardisierte Inzidenzverhältnis (SIR) betrug für alle Krebserkrankungen 0,97 für die Gesamtkohorte, für die Piloten allein 1,16. Der SIR-Wert bei malignem Melanom betrug für die Gesamtkohorte 10,20, für die Piloten15,63. Der Wert hängt von der Strahlungsdosis ab. Je höher die Strahlungsdosis, desto höher ist der SIR-Wert und damit das Risiko, ein malignes Melanom zu entwickeln. Besonders gefährdet sind Piloten, die über fünf Zeitzonen geflogen sind (SIR = 25). Es ist noch unklar, auf welche einzelnen Faktoren neben kosmischer Strahlung das erhöhte Krebsrisiko zurückzuführen ist. Die Tatsache, dass jene Piloten, die fünf Zeitzonen überflogen, ein besonders hohes Melanomrisiko haben, legt nahe, den Einfluss des zirkadianen Rhythmus und damit eine gestörte Melatonin-Ausschüttung in künftigen Studien zu untersuchen. (ggf)

Quelle: Rafnsson, V: Incidence of cancer among commercial airline pilots, Zeitschrift: OCCUPATIONAL AND ENVIRONMENTAL MEDICINE, Ausgabe 57 (2000), Seiten: 175-179
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