Anaphylaktische Reaktionen besser beherrschen | Praxis-Depesche 2/2019

Symptomatik verweist auf Ätiologie

Anaphylaktische Reaktionen treten kurz nach einer Allergen-Exposition auf und können sich unterschiedlich manifestieren. Um den zum Teil lebensgefährlichen Verlauf aufhalten zu können, ist es entscheidend, die jeweilige Ätiologie schnell zu erfassen.

Die Genese der Anaphylaxie ist multifaktoriell. Die Symptome können von Patient zu Patient variieren, auch beim gleichen Allergen. Zu den Symptomen können generalisierte Urtikaria, Angioödem, Dyspnoe, Bauchschmerzen und Hypotension („anaphylaktischer Schock“) gehören. Im Verlauf können innere Organe beeinträchtigt werden; auch Todesfälle kommen vor.
Experten aus Südkorea versuchten die Relevanz der verschiedenen Symptome und Auslöser von Anaphylaxien zu beleuchten. Hierfür analysierten sie die Krankenakten von 199 Patienten, die zwischen März 2 003 und April 2016 die Notaufnahme einer Universitätsklinik in Seoul aufsuchten und bei denen ein anaphylaktischer Schock diagnostiziert worden war.
Von einer Anaphylaxie ging man aus, wenn typische Symptome an Haut oder Schleimhäuten (plus respiratorische bzw. kardiovaskuläre Beschwerden) plötzlich (binnen Stunden) auftraten. Man unterschied zwischen monophasischen und biphasischen Verläufen.
Lebensmittel waren mit 49,7 % die häufigste Ursache, gefolgt von Arzneimitteln (36,2 %) und Bienengift (10,1 %); unbekannt war die Ursache in 4,0 % (siehe Abb. 1). Kar-diovaskuläre Symptome (Synkopen, Hypotension) kamen bei arzneiinduzierter Anaphylaxie vermehrt vor. Auch schwere Anfälle waren bei dieser Ätiologie mit 54,2 % am häufigsten. Urtikaria und andere kutane Manifestationen waren typisch für Anaphylaxie-Symptome durch Lebensmittel.
 

 

Zu den für Anaphylaxie meist verantwortlichen Speisen gehörten Meeresfrüchte (28,3 %), Fleisch (18,1 %), Zerealien und Getreidemehl (18,1 %), Obst (11,1 %), Eier (7,1 %), Milchprodukte (6,1 %), Nüsse (6,1 %) und Pupa (in Kosmetik-Produkten, 3,0 %). Am häufigsten zu Arznei-Anaphylaxie führten Antibiotika (40,2 %), NSAR (33,3 %), CT-Kontrastmittel (11,1 %), Aminosäure-Lösungen (8,3 %), Lidocain (4,1 %), Ranitidin (1,4 %) und Midazolam 1,4 %).
Zur Therapie eignen sich Epinephrin i.m., Kortikosteroide i.v. und Antihistaminika. Die rasche Verabreichung von Epinephrin kann die Prognose der Anfälle erheblich verbessern; ein verspäteter Einsatz kann verheerende Folgen haben. WE

Quelle:

Kim SY et al.: Different clinical features of anaphylaxis according to cause and risk factors for severe reactions. Allerg Int 2018 (67): 96-102

ICD-Codes: T78.2

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