Anorexia nervosa | Praxis-Depesche 9/2013

Tiefe Hirnstimulation, wenn sonst nichts hilft?

Die Anorexia nervosa ist mit schweren körperlichen Komplikationen und erhöhter Mortalität belastet. Auf etablierte Behandlungsmethoden sprechen viele der Patientinnen nicht dauerhaft an.

Über die Pathophysiologie der Krankheit weiß man immer noch wenig. Stimmungen und Gefühle spielen eine Rolle, die etwas mit dem limbischen System zu tun haben. Auf dessen Beteiligung deuten auch bildgebende Untersuchungen hin. Aus diesen Erkenntnissen heraus entwickelte sich die Vorstellung, den limbischen „Kreislauf“ mit tiefer Hirnstimulation zu beeinflussen.

Mit tiefer Hirnstimulation im Bereich des Gyrus cinguli lässt sich u. a. die Depression dämpfen, und Anorektiker tragen oft auch depressive Züge. Eine nordamerikanische Arbeitsgruppe testete deshalb das Verfahren in einer Phase-I-Studie bei sechs Patientinnen mit Anorexia nervosa. Man implantierte ihnen Elektroden und Pulsgeneratoren für kontinuierliche Stimulation. Nach neun Monaten hatten drei der sechs Teilnehmer einen BMI erreicht, der über ihrem Ausgangswert lag. Die Stimulation verbesserte bei vier Patienten Stimmung, Angst, Affekt-Regulation und Anorexie-bezogene Zwänge und Impulse; bei drei wurde eine Verbesserung der Lebensqualität regis­­triert. – Über den tatsächlichen Nutzen der Methode könnte erst eine plazebokontrollierte Untersuchung Aufschluss geben. AL

Quelle: Lipsman N et al.: Subcallosal cingulate deep brain stimulation for treatment-refractory anorexia nervosa: a phase 1 pilot trial., Zeitschrift: THE LANCET, Ausgabe (2013), Seiten: 1361-1370

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