Morbus Crohn, Colitis ulcerosa | Praxis-Depesche 14/2005

Topische Kortikoidtherapie hat hohen Stellenwert

Zwar haben Morbus Crohn und Colitis ulcerosa einige pathophysiologische Gemeinsamkeiten. In der Therapie bestehen jedoch relevante Unterschiede.

Im akuten Schub des Morbus Crohn ist vor allem bei Ileozökalbefall topisch wirksames Budesonid indiziert. Bei Versagen dieser Option werden systemische Steroide eingesetzt. Ist die Steroidtherapie erfolglos bzw. besteht Steroidabhängigkeit, ist eine Immunsuppression mit Azathioprin Therapie der Wahl. Bei unkompliziertem Verlauf ist keine remissionserhaltende Therapie nötig. Postoperativ sind 5-Aminosalicylsäurepräparate (5-ASA) mäßig effektiv. Bei chronisch aktivem Verlauf ist Dauertherapie mit Azathioprin indiziert; bei Unverträglichkeit kann Methotrexat gegeben werden. Eine milde bis mittelschwere Colitis ulcerosa wird mit 5-ASA behandelt, und zwar je nach Befallsmuster topisch mit Schaumpräparaten, Klysmen oder Suppositorien bei distalem Befall, oder systemisch bei ausgedehnter Colitis; bei Nichtansprechen verabreicht man zusätzlich topisches Budesonid. Im Schub einer schweren Colitis sind systemische Steroide indiziert. Bei Versagen der Steroidtherapie kann mit Ciclosporin (i.v.) oder Tacrolimus (oral) behandelt werden, anschließend ist eine dauerhafte Immunsuppression mit Azathioprin angezeigt. Letzteres ist auch Mittel der Wahl bei steroidabhängiger Colitis ulcerosa. Eine remissionserhaltende Therapie ist auch bei unkompliziertem Verlauf indiziert; geeignet ist 5-ASA. Bei Versagen der Primärbehandlung wird eine Therapie mit Azathioprin empfohlen. Diese Therapie verringert offenbar auch das Risiko für ein Kolonkarzinom. Eine Therapie mit dem probiotischen E.-coli-Stamm Nissle wirkt ebenfalls remissionserhaltend. (UB)


Quelle: Herrlinger, K: Chronisch-entzündlich Darmerkrankungen - Therapie, Zeitschrift: DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT, Ausgabe 129 (2004), Seiten: 2246-2250

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