Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Praxis-Depesche 16/2000

Update "Chronisch entzündliche Darmerkrankungen"

In jüngster Zeit befassten sich verschiedene Studien und Übersichtsarbeiten mit dem aktuellen Stand der Diagnose und Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Hier eine Zusammenfassung wesentlicher Aussagen.

Die Diagnose einer CED stützt sich auf klinische, radiologische, endoskopische und labormedizinische Befunde. Die Bestimmung serologischer Marker, z. B. von antineutrophilen zytoplasmatischen Antikörpern (bei Colitis ulcerosa in 50 bis 80% nachweisbar) oder Antikörpern gegen Saccharomyces cerevisiae (bei Morbus Crohn) kann bei der Erstdiagnose helfen, Colitis ulcerosa und Crohn zu differenzieren und von anderen Darmerkrankungen abzugrenzen. Die Therapie der Colitis ulcerosa hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Bei leichter oder moderater bzw. distaler Kolitis wird die topische Behandlung mit Aminosalicylaten oder Steroiden empfohlen, bei ausgedehntem Befall eine orale Aminosalicylat-Therapie. Bei schwerem Verlauf ist eine orale Kortikoidgabe sinnvoll, bei distaler Kolitis zusätzlich die topische Aminosalicylat-Behandlung. Die Therapie einer refraktären, chronisch aktiven oder fulminanten Colitis ulcerosa ist unbefriedigend. Zusätzlich zur Standardtherapie werden Versuche mit Interleukin-10, Sucralfat oder Immunglobulin G gemacht. Stets droht eine bakterielle Superinfektion; die routinemäßige Gabe von Antibiotika ist aber nicht effektiv. Azathioprin wirkt zu langsam, kann aber eine Remission induzieren und Kortikoide einsparen. Bei fulminantem Verlauf gelten intravenöse Kortikoide und parenterale Ernährung als Standardtherapie. In einigen Studien wurden mit Ciclosporin gute Erfolge erzielt. Die Behandlung des Morbus Crohn ist ebenfalls von der Schwere der Erkrankung abhängig. Bei mild bis moderat aktiver Erkrankung wird die Gabe topischer Steroide oder von ASA empfohlen. Bei Ansprechen sollte eine Erhaltungstherapie mit 5-ASA (3 bis 4,5 g/kg) erfolgen. Bei ausbleibender Besserung oder aktiver Erkrankung kann die orale Gabe von Kortikoiden versucht werden. Bei Ansprechen sollte eine Erhaltungstherapie mit 5-ASA angestrebt werden. Wenn es zu keiner Besserung kommt, wird eine Behandlung mit 6-Mercaptopurin, Azathioprin und hochdosierten Kortikosteroiden empfohlen. Wenn unter Kortikoiden schwere Nebenwirkungen auftreten, sollte ein Ausweichen auf andere Immunsuppressiva erwogen werden. Bei Ansprechen wird eine Erhaltungstherapie mit 6-Mercaptopurin und Azathioprin (evtl. plus Kortikosteroiden) empfohlen. (UB)

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x