Depressionen

Praxis-Depesche 4/2016

USPSTF empfiehlt landesweites Screening

Ganz aktuell hat die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) ein Update ihrer bisherigen Empfehlungen für ein Screening auf Depressionen publiziert. Das Update besagt, dass alle Erwachsene in den USA ab einem Alter von 18 Jahren standardmäßig beim Besuch eines Allgemeinmediziners auf Depressionen getestet werden sollen.

Nach Meinung der USPSTF wird das vorgeschlagene generelle Screening aller Erwachsenen nicht nur die persönliche Situation der Betroffenen verbessern, sondern auch die ökonomische Lage des Gesundheitssystems (der USA) positiv beeinflussen. Die Behandlung Depressiver kostet die USA jährlich etwa 23 Milliarden Euro. Rechnet man den Produktivitätsverlust ein, verdoppelt sich der Betrag.
Im Fokus des neuen Updates steht, das Screening auch auf Frauen während und nach der Schwangerschaft auszuweiten. Gerade in dieser Lebensphase weisen Frauen eine erhöhte Vulnerabilität für Depressionen auf. Laut des USPSTF-Gremiums ist ausreichend belegt, dass das Screening die exakte Identifizierung erwachsener Patienten mit Depressionen in der Primärversorgung verbessert. Den Nutzen des generellen Screenings bewertete die Arbeitsgruppe auf der Basis von fünf randomisiert-kontrollierten Studien. Nach Meinung der Arbeitsgruppe soll das Screening in den USA nur in Einrichtungen durchgeführt werden, die direkt nach der Diagnose auch eine Therapie anbieten können. Als zum Screening geeignete Verfahren empfiehlt die USPSTF verschiedene Testverfahren. Dazu gehören der Patient Health Questionnaire (PHQ), die Hospital Anxiety und Depression Scale (HAD) für Erwachsene, die Geriatric Depression Scale (GDS) für Ältere und die Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) für Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt.
Eine überzeugende Evidenz fand das Gremium auch für den Nutzen einer Behandlung mit Antidepressiva oder einer Psychotherapie bei Erwachsenen, bei denen aufgrund des Screenings eine Depression diagnostiziert wurde. Dies gilt auch für eine kognitive Verhaltenstherapie bei Frauen während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt. Zwar steigt unter selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) bei Erwachsenen unter 30 Jahren die Suizidneigung, und bei Senioren über 70 Jahren erhöht sich das Risiko für gastrointestinale Blutungen, aber wie die Experten betonen, überwiegt eindeutig der Nutzen.
Bei der USPSTF handelt es sich um einen Zusammenschluss unabhängiger Gesundheitsexperten, die regelmäßig Empfehlungen zu Vorsorgeuntersuchungen herausgeben. Erste Empfehlungen zum generellen Screening auf Depressionen gab es bereits 2002. GS
Quelle:

Siu AL et al.: Screening for depression in adults. US Preventive Services Task force Recommendation Statement. JAMA 2016; 315: 380-7

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