Praxis-Depesche 14/2006

Was besagt ein hypersensitiver Karotissinus?

Als häufigste Ursache von Stürzen und Synkopen bei Senioren gilt ein hypersensitiver Karotissinus.

In England wurde an 272 zufällig ausgewählten Personen über 65 Jahren eine Karotissinusmassage durchgeführt: 5 sec in liegender und in aufrechter Position jeweils rechts und links, mit kontinuierlicher EKG- und Blutdruck-Aufzeichnung. Als hypersensitiver Karotissinus wurden eine Asys tolie von mindes tens 3 sec und / oder eine Blutdruckabfall von 50 mmHg oder mehr gewertet.

39% der Probanden zeigten nach dieser Definition einen hypersensitiven Karotissinus, aber nur 16% waren symptomatisch. Männliche Personen in höherem Alter waren besonders häufig betroffen. In einer Untergruppe von 80 Teilnehmern ohne Anamnese für Synkope, Schwindel und Stürze wurde bei 35% ein hypersensitiver Karotissinus, aber nur bei 8% Symp tome registriert. Die klinische Bedeutung dieser hohen Prävalenz von hypersensitivem Karotissinus bei Senioren ist unklar. Die Autoren wollen durch weitere Beobachtung der Studienteilnehmer klären, ob ein positiver Karotisdruckversuch prädiktive Bedeutung für künftige symptomatische Ereignisse besitzt oder lediglich eine altersabhängige physiologische Reaktion darstellt.

Kommentar
Wichtig ist die klare Unterscheidung von Karotissinussyndrom, d. h. Auftreten von Asystolie und / oder RR-Abfall beim Karotisdruckversuch zusammen mit einer (Prä-)Synkope, und einem hypersensitiven Karotissinus, d. h. einem positiven Test ergebnis ohne klinische Symptome. Während im ersten Fall eine therapeutische Konsequenz (Schrittmacher) angezeigt ist, spricht ein asympromatischer hypersensitiver Karotissinus für eine weitere Synkopenabklärung.
Quelle: Coplan, NL: Carotid sinus hypersensitivity and syncope, Zeitschrift: ARCHIVES OF INTERNAL MEDICINE, Ausgabe 166 (2006), Seiten: 491-492: , Zeitschrift: , Ausgabe ()
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