Bakterien aus dem Gleichgewicht | Praxis-Depesche 5/2018

Was „prädiabetische Dysbiose" verrät

Typ-2-Diabetes sorgt für Veränderungen in der Darmflora – Metformin allerdings auch. Um die relevanten dysbiotischen Prozesse unbeeinflusst zu entschlüsseln, untersuchten dänische Forscher daher nun den Darm von Prädiabetikern.

Die Forscher analysierten das intestinale Mikrobiom von 134 prädiabetischen Erwachsenen mit Nüchternglucosewerten von 110 bis 126 mg/dl oder einem HbA1c von 6 bis 6,5%, die außerdem übergewichtig waren und Anzeichen von Insulinresistenz, Dyslipidämie und niedriggradiger Entzündung aufwiesen. Als Vergleichsgruppe dienten ebenso viele Personen desselben Alters und Geschlechts mit normaler Glucoseregulation.
Ingesamt fand man in fünf Bakteriengattungen und 36 funktionellen Bakteriengruppen signifikante Unterschiede in der Abundanz. Dabei wies die Darmflora der prädiabetischen Teilnehmer signifikant weniger Clostridien, dafür aber vermehrt Dorea, Ruminococcus, Sutterella und Streptococcus auf. Die verringerte Besiedelung mit Clostridien und Akkermansia muciniphila bei den Prädiabetikern war der deutlichste Unterschied.
Dass man in bisherigen Mikrobiomstudien von Diabetikern mal eine reduzierte, mal eine erhöhte Anzahl an A. muciniphila festgestellt hat,führen die Forscher auf das oft gegebene Metformin zurück, da es die Besiedelung mit eben dieser Bakterienart verstärkt. In Mausversuchen führte eine orale Gabe von A. muciniphila zu Verbesserungen der Glucosetoleranz.
Die hier beobachtete reduzierte Clostridienzahl deckt sich mit der bei Typ-2-Diabetes häufig beobachteten Reduktion an Butyrat- produzierenden Bakterien. Auch wurde eine reduzierte Gesamtdiversität der Darmflora festgestellt, ähnlich wie in Untersuchungen mit therapienaiven, nicht aber in Untersuchungen bei Metformin-behandelten Typ-2-Diabetikern. OH

Quelle:

Allin KH et al.: Aberrant intestinal microbiota in individuals with prediabetes. Diabetologia 2018; 61: 810-20

ICD-Codes: E11

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