Zufallsbefund der Bildgebung | Praxis-Depesche 4/2006

Was tun bei Nebennieren-Inzidentalom?

Mit zunehmendem Einsatz bildgebender Technik stoßen Untersucher immer häufiger auf Nebennieren-Inzidentalome, denen die zufällige Entdeckung den Namen gab. Sie sind meist harmlos, aber manchmal besteht doch Therapiebedarf.

Zufällig entdeckte Raumforderungen der Nebennieren sind meist gutartig und hormonell inaktiv. Die Liste der Differen­zialdiag­nosen ist lang. Neben häufigen NNR-Adenomen kommen – seltener – auch Kar­zinome und noduläre Hyperplasien in Frage, ebenso Tumoren des Marks wie Phäo­chro­mozytome, Ganglioneurome oder Neuro­blastome. Weitere Raumforderungen sind u. a. Myelo­lipome oder Me­tas­tasen, Infektionen, Abszesse, Zysten und Pseudozys­ten sowie die kongenitale NNR-Hyperplasie. Primäre Karzinome, die z. T. auch hormonell aktiv sind, haben eine schlechte Prog­nose. Bei Metastasen, die häufig bilateral vorkommen, ist meist der die Prognose bestimmende Primärtumor bekannt.

Die optimale Strategie zum hormonellen Screening ist noch nicht bekannt, insgesamt (inklusive Chirurgie) stellt aber bei Inzidentalomen ein Schema, das eine NIH State-of-the Science-Conference 2002 erarbeitete, einen guten Ansatz dar.

Nur manchmal zeigen initial schon CT oder MRT die Diagnose. Vor allem Ultraschall ist nicht immer eindeutig. Hinweise auf Gut- oder Bösartigkeit liefern in jedem Fall nur CT (vor allem mit Kontrast-Auswaschung) oder MRT. Phäo­chromo­zytome sind im MRT besonders gut zu erkennen.

Auch wenn klinische Zeichen fehlen, sind ein Dexamethason-Hemmtest und Suche nach Katecholaminen unabdingbar. Bei Hypertonie werden auch Kalium und Aldosteron/Renin-Verhältnis im Serum geprüft.

Hormonaktive Tumoren werden entfernt, bei V. a. Phäochromozytom unter Vorsichtsmaßnahmen. Für inerte Inzidentalome gilt der Durchmesser als Entscheidungshilfe. Bei Geschwülsten unter 4 cm wird abgewartet, über 6 cm operiert. Für die dazwischen liegenden Tumoren werden noch weitere Kriterien herangezogen.

Adrenale Raumforderungen finden sich bei 1,4-2,9% aller Autopsien. Die Autoren plädieren für eine je nach Patient modifizierte Anwendung des NIH-Schemas und weisen auf die Ängste hin, die die Zufallsbefunde auslösen können. (EH)

Quelle: Nawar, R: Adrenal incidentalomas - a continuing management dilemma, Zeitschrift: ENDOCRINE-RELATED CANCER, Ausgabe 12 (2005), Seiten: 585-598

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