Kardiovaskuläres Risiko | Praxis-Depesche 9/2015

Was verrät das Ohrläppchen?

Die diagonale Ohrläppchenfalte verrät etwas über das KHK-Risiko des Betroffenen. Gibt es auch Auskunft über andere kardiovaskuläre Risiken wie z. B. Apoplex?

Im Universitätskrankenhaus von Madrid fertigte man Fotos der Ohren von 1000 Patienten an. Die Aufnahmen wurden hinsichtlich dem Vorhandensein und der Ausgestaltung von Falten der Ohrläppchen bewertet (typischerweise die diagonale Ohrläppchenfalte und deren Winkel, Länge, Tiefe und Bilateralität). Ziel war es, Assoziationen der Falten mit kardiovaskulären (CV) Ereignissen nachzuweisen (KHK, zerebrovaskuläre Ischämie und periphere Gefäßkrankheiten). Die Prävalenz einer beidseitigen diagonalen Falte betrug bei Patienten mit CV-Ereignissen 43%. Kontrollpatienten wiesen die Falte nur in 29% der Fälle auf (p<0,001). Das Risiko eines CV-Ereignisses war beim Vorliegen der typischen Querfalte (von ventro-kranial nach dorso-kaudal verlaufend) um 45% erhöht, mit einer Sensitivität von 43% und einer Spezifität von 70%. Der ischämische Schlaganfall zeigte dabei eine unabhängige Assoziation mit der Ohrfalte, die das Risiko hierfür um 67% erhöhte. Diese unabhängige Verknüpfung zwischen Ohrfalte und Apoplex wurde hier zum ersten Mal signifikant nachgewiesen. Die Konfiguration der Ohrläppchenfalten hatte dabei jeweils spezielle Einflüsse: Eine vertikal verlaufende Falte war im Hinblick auf das CV-Risiko irrelevant. Die Tiefe der Falte beeinflusste jedoch das Risiko, ebenso wie das beidseitige Vorkommen und die Länge. Reichte die Falte auf beiden Seiten über den kompletten Lobulus auriculae, war das CV-Risiko am höchsten. Neben Kardio-MRT und IMT lohnt sich also der Blick aufs Ohr. CB


Quelle:

Rodríguez-López C et al.: Earlobe crease shapes and cardiovascular events. Am J Cardiol 2015; 116: 286-93

ICD-Codes: I25

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