Fibromyalgie | Praxis-Depesche 11/2016

Wem hilft ein Reha-Programm im Alltag?

Welche Fibromyalgie-Patienten profitierten von einem Rehabilitationsprogramm, das von einem Team aus Rheumatologen, Psychologen, Krankenschwestern und Physiotherapeuten geleitet wurde? Dieser Frage ging eine randomisierte und kontrollierte Studie nach. Ein geringer Verbrauch schwacher Analgetika erwies sich als signifikanter Prädiktor.

In die Studie „Interdisciplinary Rehabilitation and Evaluation Programme for Patients with Chronic Widespread Pain“ (IMPROvE-Studie) wurden 191 Patientinnen mit Fibromyalgie aufgenommen und im Verhältnis 1:1 zu den beiden Gruppen Rehabilitation (n=96) bzw. Warteliste (n=95; Kontrollgruppe) randomisiert. Mithilfe des Assessment of Motor and Process Skill (AMPS; Befundung der motorischen und Verarbeitungsfertigkeiten) wurde beurteilt, wie die Studienteilnehmer Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) bewältigen.
74 (38,7%) aller Studienteilnehmerinnen waren sechs Monate nach der Reha-Maßnahme AMPS-Responder: Sie verbesserten sich während der Rehabilitation um >0,3 Logits in den motorischen und/oder Verarbeitungsfähigkeiten. Für beide Gruppen zusammen war eine AMPS-Response mit einer seltener berichteten Einnahme schwacher Analgetika (p=0,019), besserer sozialer Kompetenz (p=0,032), weniger körperlichen Schmerzen (p=0,010) nach SF-36, eine höhere Druckschmerzschwelle und einer geringeren motorischen ADL-Fertigkeit nach AMPS zu Beginn der Studie (p=0,004).
Die explorative Analyse zeigten lediglich vier Baseline-Variablen von insgesamt 52 eine statistisch signifikante Interaktion mit der Behandlungszuteilung, was auf einen möglichen prädiktiven Wert dieser Variablen hinweist. Es handelt sich um die Variablen „geringe Einnahme schwacher oder starker Analgetika“, „hoher Wert für bestehende Schmerzen“ und „hoher Gesamtscore im Pain Detect Questionnaire“.
Eine explorative Analyse zeigte außerdem, dass die Patienten, die am Reha-Programm teilgenommen hatten, sich häufiger in ihren funktionellen Fähigkeiten klinisch erwähnenswert verbessert hatten als die Wartelistegruppe. Dies galt auch für verschiedene Subgruppen wie Patienten mit einem geringen Verbrauch schwacher oder starker Schmerzmittel. GS

Kommentar

Beim AMPS handelt es sich um ein standardisiertes klientenzentriertes und ergotherapeutisches Messinstrument: Den Patienten werden standardisierte Aufgaben mit unterschiedlichem Schweregrad aus dem ADL-Bereich gestellt. Begutachtet wird, was der Patient effektiv tun kann und auch, weshalb einige Aktivitäten problematisch sind. Anhand einer Vier-Punkte-Skala werden 16 motorische und 20 Verarbeitungsfertigkeiten bewertet.

Quelle:

Amris K et al.: Predictors of improvement in ob - served functional ability in patients with fibromyalgia as an outcome of rehabilitation. J Rehabil Med 2016; 48: 65-71

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