Hypogonadismus des Mannes | Praxis-Depesche 7/2018

Wer braucht Testosteron?

In die Praxis kommen oft Männer mit Symptomen, die auf Hypogonadismus deuten könnten. Der Patient verlangt dann häufig eine Therapie, aber eine Testosteron-Substitution sollte nicht schematisch verordnet werden.

Nach der kürzlich aktualisierten Leitlinie der American Endocrine Society umfassen die klinischen Merkmale eines männlichen Hypogonadismus reduzierte Libido, Erektionsfähigkeit und Fertilität, Abnahme von Muskelmasse und Knochendichte, von Behaarung im Bereich von Gesicht, Axillen und Pubes, Anämie sowie verminderte Stimmung und Vitalität. Da diese Symptome unspezifisch sind, gehört zur Diagnose eines Hypogonadismus eine Testosteron-Bestimmung am Morgen im Nüchtern-Serum. Falls pathologisch (unter 300 ng/ dl), ist mindestens eine weitere Messung zur Bestätigung fällig. Bei jüngeren hypogonadalen Männern können Testosteron-Gaben die Symptome oft verbessern; ältere sprechen aber nur mäßig an.
Die neue Leitlinie stützt sich u. a. auf eine Studie mit 790 symptomatischen Männern im Alter von 65 Jahren mit zwei Testosteron-Messungen <275 ng/dl. Die Substitution verbesserte Sexualität, Stimmung und Gehstrecke, nicht aber die Vitalität. Testosteron erhöhte die Knochenmineraldichte und Hämoglobin (bei Anämie). Jedoch nahm auch das koronare Plaque-Volumen zu. In einer anderen Studie stieg zudem das Thromboembolie-Risiko. WE

Quelle:

Sargis RM et al.: Evaluation and treatment of male hypogonadism. JAMA 2018; 319: 1375-6

ICD-Codes: E29.1

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