28th United European Gastroenterology Week Virtual 2020

Praxis-Depesche 12/2020

Wie gefährdet sind CED-Patienten?

Für diese große fachübergreifende jährlich stattfindende Kongressveranstaltung wurden in diesem Jahr 1.718 Arbeiten angenommen, 210 in Form von Vorträgen und 1.508 als Posterpräsentation, mit aktuellen Daten unter anderem zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen(CED), Lebererkrankungen, zur Krebsvorsorge aber auch zu COVID-19.
Darmkrebsvorsorge beibehalten
Im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie zeigte eine italienische Studie, dass die Pandemie zu einer besorgniserregenden Reduktion von Darmspiegelungen führte, verbunden mit einer gesunkenen Anzahl an Krebsdiagnosen und Feststellung von risikobehafteten Läsionen. Mit einer einhergehenden Verlängerung von Screeningintervallen befürchtet man zudem ein vermehrtes Risiko für ein unkontrolliertes Fortschreiten des kolorektalen Karzinoms (CRC). Den Nutzen des frühzeitigen Darmkrebsscreenings spiegelten Resultate einer europäischen Studie wieder, die zeigten, dass in Ländern, die ein solches Screeningprogramm schon früher eingeführt hatten, ein Abwärtstrend für das Auftreten von CRC zu beobachten war, während in Ländern, in denen dies erst vor Kurzem erfolgte, mehr CRC-Fälle in einem früheren Stadium detektiert wurden. Diese Daten weisen zudem daraufhin, dass es auch in Zeiten der Pandemie ratsam ist, Wege und Mittel zu finden, diese Screeningprogamme aufrechtzuerhalten und zeitgerecht durchzuführen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass es in einer polnischen Studie gelang, durch das Angebot eines der Koloskopie vorgelagerten Fecal-immuno-chemischen Tests (FIT), die Anzahl der Teilnehmer am Screeningprogramm als solches zu steigern, jedoch aufgrund fehlender Compliance nach einem positiven FIT-Test die diagnostische Ausbeute nicht erhöht werden konnte. In Daten einer japanischen Studie zeigte sich, dass mit Hilfe einer FIT-positiven Koloskopie signifikant mehr präkanzerose Läsionen entdeckt wurden als bei einer direkten Darmspiegelung.
 
Neue Therapieoptionen bei CED
Berichtet wurden weiterhin die Langzeit- Follow-Up-Daten der TOUCHSTONE OLE Studie zur Sicherheit und Effizienz von Ozanimod, einem oralen S1P(sphingosine- 1-phosphate)-Rezeptoragonisten bei Patienten mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa (CU). Die Daten der Studie, dass Ozanimod auch noch nach mehr als vier Jahren s icher und e ffizient w irkt, w ie k linische, endoskopische, histologische sowie bestimmte Biomarker beweisen, unterstützen den Einsatz von Ozanimod als Standardtherapie bei Patienten mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa.
 
CED und COVID-19
Bei neuerlichen Analysen von Daten von fast 1.000 Patienten mit IBD (inflammatory bowl disease) aus dem SECURE-IBD-Register fand man, dass fortgeschrittenes Alter, Begleiterkrankungen sowie die Einnahme von Kortikosteroiden mit einem schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 assoziiert ist. Für TNF(Tumornekrosefaktor)-Antagonisten ließ sich ein solcher Zusammenhang nicht nachweisen, so dass man davon ausgeht, dass diese während der Pandemie weiter verabreicht werden können.
Bei einer Untersuchung von Darmbiopsien und von aus UC-Gewebe hergestellten Organoiden fand man, dass die Expression von ACE-2(angiotensin converting enzyme 2) und der TMPRSS2(transmembrane serine protease 2) in der Darmschleimhaut von IBD-Patienten dereguliert ist. Da ACE-2 einen Rezeptor für SARS-CoV-2 darstellt und die TMPRSS2-Expression nachgewiesenermaßen das Eindringen von SARS-CoV-2 erleichtert, befürchtet man nun, dass IBDPatienten anfälliger für COVID-19 sein könnten.
 
Lebererkrankungen in Schach halten
In einer der bis heute größten Studie zum Einfluss des Darmmikrobioms auf den Erfolg von Lebertransplantationen (LT) konnten verschiedene mikrobielle Signaturen vor und nach LT beschrieben werden, die von klinischer Bedeutung sind. So war das Mikrobiom bei Patienten mit einer Lebererkrankung weniger divers als bei gesunden Personen. Bei Patienten mit schwerstem Grad der Lebererkrankung ließ sich dabei die niedrigste Vielfalt im Mikrobiom nachweisen. Interessanterweise war die Diversität im perioperativen Zeitraum (drei Monate) am niedrigsten und stieg ein Jahr nach Transplantation wieder an im Vergleich zu vor dem Eingriff. Somit könnte die Charakterisierung des Darmmikrobioms als Biomarker bei LT fungieren, zudem auch eine Assoziation der Diversität mit dem Überleben post-LT gezeigt werden konnte.
Eine Untersuchung zum Einfluss des Ramadan Fastens auf den Schweregrad einer Fettlebererkrankung ergab, dass diese Art von Fasten Entzündungsmarker, Insulinsensitivität sowie klinische Werte bei nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH) verbesserte.
Weitere Studiendaten zur prospektiven Assoziation zwischen ultra-verarbeiteten Lebensmitteln und dem Risiko für eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD; nonalcoholic fatty liver disease) zeigten, dass der vermehrte Verzehr solcher Art Nahrungsmittel ein erhöhtes Risiko für NAFLD birgt. GH
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