Akute Gicht | Praxis-Depesche 4/2013

Wie man den Anfall in den Griff bekommt

Akute Gichtanfälle können völlig unerwartet auftreten oder auch im Verlauf einer medikamentösen Senkung der Harnsäure. Man kann die Beschwerden lindern.

Im Rahmen neuer Leitlinien des American College of Rheumatology (ACR) zur Therapie der Gicht wurde ein Konsensus formuliert, wie man akute Gichtanfälle kupiert und das Risiko neuer Episoden – parallel zur Harnsäure-Senkung – langfristig vermindert.

Die Akutmedikation sollte binnen 24 Stunden einsetzen. Bei leichten bis mäßiggradigen Schmerzen kommen konventionelle NSAR (oder COX-2-Hemmer) oder orale Kortikoide oder Colchicin in Frage. Auch intraartikuläre Kortikoide können sinnvoll sein. Dämpft das eingesetzte Medikament die Beschwerden nicht ausreichend, kommt ein Wechsel des Präparats oder eine Kombinationstherapie in Frage (Colchicin plus NSAR oder plus orales Steroid). Bei initial schweren Schmerzen ist von vornherein eine Kombination zu empfehlen. Zusätzliche Linderung ist von Eispackungen auf die betroffenen Gelenke zu erwarten.

Bei Therapieresistenz sollte man überprüfen, ob die Beschwerden überhaupt auf Gicht beruhen. Bleibt es bei der Diagnose, kommen bei Befall weniger Gelenke intraartikuläre Steroide, ansonsten intramuskuläre oder intravenöse in Frage.

Gicht-Patienten leiden oft an mehreren Krankheiten. Dehalb muss geprüft werden, ob die Mittel gegen die akute Gicht mit anderen Medikamenten interagieren können oder Risiken wegen anderer Grundleiden bestehen wie chronische Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, peptisches Ulkus, Diabetes, aktive Infektion oder Leberschaden.

Die Harnsäure-Senkung unter 6 mg/dl ist den aktualisierten ACR-Leitlinien zufolge das Ziel, um Folgeschäden an Gelenken und Organen zu vermeiden. Die Leilinie empfiehlt dazu als First-line-Therapie Xanthin-Oxidase-Hemmer wie Allopurinol oder Febuxostat. Außerdem wird eine antientzündliche Prophylaxe empfohlen. Dazu eignen sich, jeweils in niedriger Dosis, Colchicin oder NSAR, in zweiter Linie auch orales Prednisolon (maximal 10 mg/d). Die Prophylaxe sollte mindestens so lange fortgeführt werden, bis der Harnsäure-Zielwert erreicht ist und Tophi, soweit sie vorhanden waren, verschwunden sind. WE

Quelle: Khanna D et al.: 2012 American College of Rheumatology guidelines for management of gout. Part 2: therapy and antiinflammatory prophylaxis of acute gouty arthritis, Zeitschrift: ---, Ausgabe 10 (2012), Seiten: 1447-1461

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