COPD | Praxis-Depesche 1/2019

Zeit für eine neue Definition?

Mittlerweile weiss man, dass die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ein komplexes Syndrom mit variabler Ätiologie darstellt. Zwei Autoren aus den USA schlagen daher eine neue Definition und genauere Klassifizierung vor.

Statt von einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung sollte man besser von chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen sprechen. Patienten ohne persistierende Ventilationsobstruktion, aber mit COPD-Symptomen oder Emphysem, fallen nach dem Schema in die Kategorie der „Prä-COPD“. Eine manifeste COPD wird je nach Ätiologie klassifiziert in:
  • COPDg (genetisch): z. B. a1-Antitrypsin-Defizienz, Patienten meist jünger, häufig Emphysem in den unteren Lungenlappen
  • COPDc (Zigarettenrauchen): variables zentrilobuläres Emphysem, Beteiligung der kleinen und großen Atemwege, abnormale Entzündungsreaktion
  • COPDb (Rauchgasexposition durch Biomasseverbrennung): vor allem Frauen in Entwicklungsländern, seltener mit Emphysem, aber stärkere Atemwegsbeteiligung
  • COPDi (infektionsbedingt): häufig mit Bronchiektasie
  • COPDa (überlappend mit Asthma)
  • COPDd (entwicklungsbedingt): durch genetische oder Umweltfaktoren in utero, in der Kindheit oder Jugend
  • COPDu (unbekannte Ursache)
Diese Klassifizierung soll es Ärzten leichter machen, individuelle Therapiestrategien für verschiedene COPD-Patienten parat zu haben. Ein gesunder Lebensstil und die symptomatische Behandlung mit Bronchodilatatoren ist allen Formen gemein, weitere Maßnahmen ergeben sich aber erst nach Kenntnis der Ursache. OH

Quelle:

Celli BR, Agustí A: COPD: time to improve taxonomy? ERJ Open Res 2018; 4: 00132-2017

ICD-Codes: J44.9

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