Zinnorganische Verbindungen | Praxis-Depesche 8-9/2019

Zusammenhang zur Hypothyreose?

Die Prävalenz endokriner Störungen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Als möglicher Grund wird die zunehmende Exposition mit endokrin aktiven Chemikalien (endocrine disruptive compounds, EDC) diskutiert. Besonders toxisch sind bestimmte zinnorganische Verbindungen, die in der Industrie vielfältig eingesetzt werden.
Zinnorganische Verbindungen, insbesondere Tributylzinn (TBT), werden als Biozide in Schiffsanstrichen verwendet, sind aber auch in Textilien oder Backpapier nachweisbar. Während die negativen Auswirkungen dieser EDC auf den Östrogenhaushalt gut beschrieben sind, sind die Effekte auf die Schilddrüsenfunktion kaum verstanden. Bisherige Daten zu diesem Thema lassen jedoch aufhorchen: Studien an Ratten kamen zu dem Schluss, dass die Exposition mit TBT zu histopathologischen und ultrastrukturellen Veränderungen der Schilddrüse führt, wie einer Vergrößerung der Kolloidzone und des Epitheliums sowie verstärkten Kollagenablagerungen.
Zahlreiche Studien berichten zudem über eine hemmende Wirkung zinnorganischer Verbindungen auf die Schilddrüsenhormonproduktion, weshalb schon länger ein Zusammenhang zur Hypothyreose vermutet wird. So wiesen exponierte Versuchstiere einen niedrigeren T3- und T4-Spiegel auf, teilweise zeigten sich Unterschiede im TSH-Level. In einer Studie an dänischen Frauen korrelierte die plazentare Konzentration zinnorganischer Verbindungen invers mit dem Spiegel an reversem T3, einem Metaboliten des Thyroxins. Für eine eindeutige toxikologische Beurteilung sind aber noch zu wenig Daten über in-vivo- Effekte am Menschen vorhanden. RG

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