Praxis-Depesche 8/2017

Ein gutes Zeichen

Befreiungsschwindel nach BPPV-Manöver

Bei einem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPPV) können Lagerungsmanöver (auch Repositionsmanöver genannt) helfen. Manchmal ist der Schwindel nach einer solchen Behandlung kurzzeitig schlechter als vorher. Das ist aber ein gutes prognostisches Zeichen, wie nun Autoren aus Italien berichteten.

Ist beispielsweise der rechte posteriore Bogengang betroffen, sieht das Lagerungsmanöver nach Sémont so aus: Patient sitzt auf Untersuchungsliege; Kopf um 45° nach links drehen; Körper zur rechten Seite auf Liege ablegen (dabei Kopf linksgedreht belassen); Körper so schnell wie möglich von der rechten auf die linke Seite legen (über die aufrecht sitzende Position hinweg; wiederum unter Beibehaltung der Kopflinksdrehung); langsames Wiederaufrichten und drei Minuten sitzen bleiben.
Bei manchen Patienten verschlechtert sich durch ein Lagerungsmanöver der Nystagmus zunächst. Man weiß aber, dass bezüglich des Langzeitergebnisses der Lagerungsbehandlung die kurzzeitige Nystagmusverschlechterung ein gutes Zeichen darstellt. Manchmal wird auch der Schwindel zunächst schlechter, und da das ein in der Behandlungssituation leichter zu evaluierendes Zeichen darstellt, prüfte man nun an 535 BPPV-Patienten nach Lagerungsmanöver, ob dieser so genannte „Befreiungsschwindel“ ebenfalls prognostisch positiv zu werten ist.
Völlige Beschwerdefreiheit erreichte man bei 77% der Patienten mit posteriorer und bei 80% mit horizontaler Bogengangbeteiligung. Ein Befreiungsschwindel zeigte sich bei 68 bzw. 88%. Der positive prädiktive Wert lag bei 93 bis 97%, unabhängig davon, welcher Bogengang die Beschwerden verursachte.
Eine kurzzeitige Verschlechterung des Schwindels nach Repositionsmanöver bei BPPV zeigt eine gute langfristige Effektivität des Manövers an und ist somit ein gutes prognostisches Zeichen. CB

Quelle:

Tirelli G et al.: Liberatory vertigo: a new prognostic factor ... Am J Emerg Med 2016; 34: 1548-51



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ICD-Codes: H81.1

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