Praxis-Depesche 8/2017

Erdbeben als Suizid-Risiko

Nepals stille Epidemie

2016 erschütterten zwei starke Erdbeben das politisch gebeutelte Nepal – wenig später stoppte eine mehrmonatige Grenzblockade die Versorgung mit Benzin und Kochgas. Ein davon nicht unberührtes weiteres Problem ist die enorm hohe Selbstmordrate in diesem Land. Die Gründe sind komplex und eine Lösung nicht in Sicht.

Laut Schätzungen der WHO aus dem Jahr 2012 verzeichnet Nepal 6840 Suizide pro Jahr, umgerechnet 24,9 pro 100 000 Personen. Damit hat Nepal weltweit die siebthöchste Selbstmordrate, wobei mangels nationaler Statistiken die tatsächliche Zahl im Unklaren bleibt.
Dass nach humanitären Krisen die Prävalenz psychischer Störungen steigt (laut WHO um etwa 5 bis 10%) und in Folge auch die Suizidrate steigt, ist nicht unüblich. Nach dem Erdbeben im April 2016 stieg die Selbstmordrate in Nepal allerdings um satte 41%. Dass so viele der von den Ereignissen traumatisierten Nepalesen Selbstmord begehen, liegt Experten zufolge vermutlich an den vielen sozialen Widrigkeiten, unter welchen sie ohnehin schon leiden – vor allem Frauen. Denn viele von ihnen sind isoliert und verarmt, nachdem ihre Ehemänner zum Arbeiten ausgewandert sind. Bei nepalesischen Mädchen und Frauen im reproduktiven Alter ist der Suizid sogar zur häufigsten Todesursache avanciert. OH

Quelle:

Cousins S: Nepal‘s silent epidemic of suicide. Lancet 2016; 387: 16-7



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