Praxis-Depesche 11/2017

Leberzirrhose verhindern

Screening oder doch besser Alkoholentzug?

Im UK ist die Mortalität durch Leberzirrhose in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Hauptursachen sind exzessiver Alkoholkonsum und die Tatsache, dass Lebererkrankungen oft erst sehr spät entdeckt werden. Ob ein Zirrhose-Screening die Lösung ist, ist aber umstritten.

Aus der Sicht von Dr. Mark Hudson, Newcastle und Dr. Nick Sheron, Southhampton, ist ein Zirrhose-Screening, wie es die aktuellen Leitlinien des NICE empfehlen, die einzig richtige Lösung. Denn Alkoholmissbrauch und Übergewicht lassen sich mit therapeutischen Mitteln nur begrenzt bekämpfen. Verdacht schöpft der Allgemeinarzt in der Regel erst, wenn erhöhte Transaminasen vorliegen. Neuesten Erkenntnissen zufolge lässt der ALT-Spiegel aber keine validen Rückschlüsse auf das Stadium der Leberfibrose zu. Als effektive Screening-Option führen die Ärzte stattdessen die Elastographie an, die auch in den NICE-Leitlinien empfohlen wird. Diese sollte man bei allen Männern und Frauen durchführen, die übermäßig viel Alkohol trinken.

Dr. Ian Rowe, Leed, und Dr. Gideon Hirschfield, Birmingham, zweifeln an der Sinnhaftigkeit des Screenings. Trotz der NICE-Empfehlung halten sie die Evidenz für den Nutzen der Elastographie für zu gering. Auch fehlt es an einem flächendeckenden Zugang zur Elastographie. Als schwierig empfinden die beiden Ärzte u. a. die mit 29% sehr hohe Falschpositivrate. Für viel wichtiger als ein Screening erachten sie Interventionen zur Alkoholabstinenz. OH


Quelle:

Hudson M et al.: Should we screen for cirrhosis? BMJ 2017; 358: j3233



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