Komorbidität suchen und bekämpfen | Praxis-Depesche 1/2010

"Asthma plus" verläuft oft schwerer

In Kanada nutzten vier Autoren die Möglichkeiten, die ihnen die Interview-Daten des 2005 Canadian Community Health Survey (CCHS) boten. Sie wollten die Annahme prüfen, dass Asthmatiker mehr zusätzliche Erkrankungen als Nichtasthmatiker aufweisen, deren Einfluss auf das subjektive Befinden erkunden und die Hypothese testen, dass Komorbidität mit mehr Symptomen und/oder Anfällen einhergeht.

Von 132 221 Teilnehmern (Response-Rate 79%) erklärten 10 089 über 18-Jährige, dass sie mindestens sechs Monate an vom Arzt diagnostiziertem Asthma gelitten hatten. Sie gaben an, ob sie in den letzten zwölf Monaten Symptome oder Asthma-Anfälle gehabt hatten und beurteilten ihren Gesundheitszustand als ausgezeichnet, sehr gut, gut, ausreichend oder schlecht. Von 23 langfristigen Leiden, nach deren Diagnosen gefragt wurde, suchten die Autoren elf chronische mit großer Häufigkeit und/oder hoher Inanspruchnah­me des Gesundheitswesens heraus. Von schwererer Komorbidität sprachen sie beim Vorliegen von Allergien, Herzerkrankungen, Hypertonie, Diabetes, Krebs, Apoplex, chronischen Atemwegsleiden (chronische Bronchitis, COPD, Emphysem), Arthri­tis/Rheuma, Magen-Darm-Ul­zera, Schilddrüsenleiden und psychischen Erkrankungen (Depression, bipolare Störungen, Manie, Dysthymie, Phobien, Zwangsstörungen, Panikstörung).

Als Kontrollvariablen galten Alter (Einteilung in vier Gruppen), Geschlecht und Asth­ma-Medikation in den letzten zwölf Monaten (gefragt wurde nach Sprays usw.).

Die Asthma-Prävalenz betrug 8,4% (höher bis zu 34 Jahren, über 70 niedriger). Mindes­­-tens ein komorbides Leiden wiesen 59% der Teilnehmer auf. Nach Korrektur um Alter und Geschlecht waren alle Erkrankungen außer Krebs bei Asthmatikern signifikant häufiger. Atemwegsleiden fanden sich bei Frauen fast zehn- und bei Männern sechsmal so oft. Doppelt so häufig waren psychische Erkrankungen (am meisten bis 34 Jahre) und Ulzera; Allergien kamen fünfmal so oft vor.

Lag eine Komorbidität vor, bezeichneten ca. 32% der Asthmatiker ihren Gesundheitszustand als ausreichend oder schlecht. Fanden sich eine oder mehrere Komorbiditäten, gaben 56% Symptome oder Anfälle im letzten Jahr an. Das Risiko, daran gelitten zu haben, war bei Asthmatikern mit weiteren chronischen Atemwegserkrankungen signifikant höher (Odds Ratio 1, 64). Dies galt auch für das Vorliegen von psychischen Leiden (OR 1,42). Bei Allergien betrug die OR 1,44.

Die Autoren plädieren dafür, zusätzliche Erkrankungen genau zu ermitteln. Sie halten die Betreuung bei psychischen Leiden für besonders wichtig, da diese wahrscheinlich die Symptome verstärken, aber unentdeckt bleiben können. Der Zusammenhang zwischen den Leiden und der Symptomatik war in allen Altersgruppen ähnlich. Weitere Studien müssen sich mit Fragen der kausalen Beziehung befassen. SN

Quelle: Zhang, T: The added burden of comorbidity in patients with asthma, Zeitschrift: JOURNAL OF ASTHMA, Ausgabe 46 (2009), Seiten: 1021-1026

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