Praxis-Tipp | Praxis-Depesche 2/2019

Das kleine 1x1 – Hernienwissen für Hausärzte

Häufig ist ein Leistenbruch schnell und einfach diagnostiziert. Aber nicht immer.

Inguinalhernien sind bis zu zehnmal häufiger als Femoralhernien und kommen meistens bei Männern vor. Femoralhernien sind bei Frauen häufiger. In Bezug auf die Therapie ist die Unterscheidung der Bruchpforte wichtig, denn Femoralhernien sollten auch bei minimalen Symptomen chirurgisch saniert werden, da sie ein hohes Inkarzerationsrisiko aufweisen. Bei minimal symptomatischen Inguinalhernien kann eine Watchful-waiting-Strategie erwogen werden (wohl wissend, dass 75 % der Patienten innerhalb von zehn Jahren doch operiert werden müssen).
Die klinische Unterscheidung zwischen „inguinal“ und „femoral“ kann schwierig sein. Die Femoralhernie palpiert sich beim Hustenstoß typischer weise unterhalb des Lig. inguinale lateral und inferior des Tuberculum pubicum. Femoralhernien sind selten reponibel. Akuten oder chronischen Schmerzen im Bereich der Leiste lie-gen ohne eine nachweisbare Schwel-lung nur selten Hernien zugrunde. Bei zweifelhafter Abgrenzung z. B. zum „offenen Processus vaginalis“, zur „Osteitis pubis“ oder „Leistenzerrung“ gilt: In dubio pro „Überweisung“. Bei der Befundbeschreibung des Bruchs sollte man dann die Termini „spontan reponibel“, reponibel mit Druckan-wendung“, „nicht reponierbar“ und „stranguliert“ unterscheiden. CB
Quelle:

Turner RC: A general practitioner primer on ... Aust J Gen Pract 2018; 47(8): 530-3

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