Phytotherapie in der TCM

Praxis-Depesche 12/2020

Die Risiken nicht unterschätzen!

Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind auch im Westen als alternative bzw. komplementäre Therapien populär. Die verbreitete Annahme, TCM sei nebenwirkungsfrei, wird aber selbst in China hinterfragt.
Eine Arbeitsgruppe aus der chinesischen Metropole Jinan mahnt, TCM umsichtig einzusetzen. Die Frage, ob derartige Arzneien toxisch sein können, beantworten sie mit einem eindeutigen Ja. Shennong’s Herbal Classic, die älteste Pharmakopöe der Welt, führt 365 TCM-Präparate auf. Diese werden in drei Gruppen unterteilt. In der Spitzenklasse finden sich ungiftige, aber wirksame Produkte (u. a. Ginseng), die unterste Kategorie enthält giftige Zubereitungen. Allerdings gehört die Toxizität zum Wirkprinzip der Therapie. In der richtigen Dosierung können giftige Kräuter nach chinesischer Lehre die verloren gegangene Balance zwischen Yin und Yang wiederherstellen. Die Autoren geben Hinweise, wie man das Problem der Toxizität von TCM umschifft. Dazu gehört zuvorderst die korrekte Diagnose eines Syndroms im Sinne der TCM (Zheng). Das geschieht mit Hilfe von vier diagnostischen Methoden: Inspektion, Abhören, Befragen und Palpieren. Die Präparate müssen genau nach den Vorschriften hergestellt und in der richtigen Dosis eingesetzt werden. Dabei ist zu beachten, dass man bei Senioren, Kindern und Schwangeren besonders vorsichtig sein muss. Die verschiedenen Verarbeitungsvorschriften für die verwendeten Kräuter reduzieren ihre Toxizität. Bei der Kombination mehrerer Ingredienzien müssen Wechselwirkungen berücksichtigt werden. Gewarnt wird zudem davor, TCM wie ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. WE
Quelle: Cai P et al.: The toxicity and safety of traditional Chinese medicines: Please treat with rationality. BioScience Trends 2019; 13: 367-373
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