Kontroverse | Gyn-Depesche 5/2019

Erkenntnisse zum Krebsrisiko: kontrovers

Die Hormonersatztherapie (HRT) gilt trotz einiger Bedenken als die effektivste Methode, Menopausenbeschwerden zu dämpfen, und sie beugt Osteoporose und Frakturen vor. Umstritten ist aber die Frage, ob Krebs gefördert wird.
Nach der Publikation der Ergebnisse von WHI (Women’s Health Initiative) im Jahr 2002, die für eine Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch HRT sprachen, brachen viele Frauen eine solche Therapie ab.
Eine italienische Arbeitsgruppe hat die vorliegende Evidenz noch einmal zerpflückt, um klarer zu sehen. Wenn man alle Krebsarten einbezieht, ist das Risiko einer Studie aus dem Jahr 2017 zufolge um 9 % erhöht. Darin sind aber Risikoerhöhungen (Mamma, Endometrium, Ovar) und -erniedrigungen (Magen-Darm- Tumoren) enthalten.
Die in WHI verwendete HRT ist nicht mit neueren Regimen vergleichbar. Auch das Timing ist von Bedeutung. Ein erhöhtes Risiko beobachtet man für fünfjährige oder längere Einnahme; es sinkt wieder etwa fünf Jahre nach dem Absetzen. Gesteigert ist das Risiko auch, wenn die HRT innerhalb eines Jahres nach Einsetzen der Menopause begonnen wird. Der Rückgang von Mammakarzinomen seit 2003 war der Abnahme der HRT-Verschreibungen nach WHI zugerechnet worden. Eine genauere Analyse ergab, dass die Zahl lobulärer und duktaler Mammakarzinome schon vor 2001 zu sinken begann und dass sie im Jahr 2012 wieder so hoch war wie in 2001. WE
Quelle: D’Alonzo M et al.: Current evidence of the oncologic benefit-risk profile of hormone replacement therapy. Medicina 2019; 55(9): E573

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