Kardiovaskuläre Prävention | Praxis-Depesche 6/2019

Fischöl-Kapseln – der Hype auf dem Prüfstand

Seit ein Review im Jahr 2002 zu dem Schluss kam, dass der tägliche Verzehr von 40 bis 60 g Fisch mit einem fast 50 % niedrigeren kardiovaskulären Mortalitätsrisiko einhergeht, ist das Interesse an der Wirksamkeit einer Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren stark gestiegen. Hinsichtlich kardiovaskulärer Endpunkte waren die Daten bisheriger Studien aber widersprüchlich. Die ASCEND-Studie kam nun zu einem eindeutigen Ergebnis.

Erst 2018 konstatierten die Autoren einer Metaanalyse auf Basis von zehn randomisiert- kontrollierten Langzeitstudien, dass die Gabe von Omega-3- Fettsäuren zur Prävention koronarer Herzerkrankungen sowie schwerer vaskulärer Ereignisse wirkungslos sei. Auch Subgruppenanalysen von Patienten mit und ohne Diabetes oder Hypercholesterinämie zeigten keinen Vorteil zugunsten der Supplementierung. Dennoch empfiehlt die American Heart Association (AHA) weiterhin die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zur kardiovaskulären Sekundärprävention.
Dass diese Leitlinien möglicherweise überdacht werden müssen, lässt nun auch die ASCEND-Studie vermuten. Über im Schnitt 7,4 Jahre erhielten 15.480 Typ-2-Diabetiker ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung entweder eine Kapsel mit 460 mg Eicosapentaensäure (EPA) und 380 mg Docosahexaensäure (DHA) oder ein olivenölhaltiges Placebo. Während sich der erythrozytäre Omega- 3-Index unter Placebo im Laufe der Beobachtungszeit nicht signifikant veränderte, stieg er in der supplementierten Gruppe von 7,1 % auf 9,1 %. Es konnte jedoch kein Unterschied in der Rate schwerer vaskulärer Ereignisse (nicht-fataler Myokardinfarkt oder Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke oder Tod aufgrund vaskulärer Ursachen) festgestellt werden (siehe Abb. 1). So waren in der Placebo-Gruppe 8,9 % und in der Omega-3-supplimierten Gruppe 9,2 % der Probanden betroffen (p = 0,55). Eine Risikosenkung hinsichtlich nicht-vaskulärer Endpunkte war auch nicht feststellbar.
Vielversprechendere Ergebnisse lieferte Anfang des Jahres die REDUCE-IT-Studie, die an 8.000 Patienten mit Hypertriglyzeridämie zeigen konnte, dass die Einnahme von höher dosierten Fischöl-Kapseln (4 g Omega-3-Fettsäuren täglich) mit einer Reduktion des Triglyzerid-Spiegels sowie einer deutlichen Senkung des kardiovaskulären Risikos einherging. Im Gegensatz zu vorherigen Studien wurde hier außerdem EPA in Reinform verabreicht statt in Kombination mit DHA. RG

 

Quelle: ASCEND Study Collaborative Group: Effects of n-3 fatty acid supplements in diabetes ... N Engl J Med 2018; 379(16): 1540-50

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