DGSM-Kongress 2015

Praxis-Depesche 2/2016

„Herzenssache" Schlaf: Wie die Beatmung kardiale Marker bessert

Im vergangenen Dezember tagte die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Mainz. Hierbei wurden unter anderem Daten präsentiert, dass die Schlafqualität bzw. ein gestörter Schlaf Einfluss auf kardiologische Blutmarker hat. Dabei zeigte sich, dass eine Be atmungstherapie wie zum Beispiel CPAP „Herzlaborwerte“ bessern kann – schon nach einer Nacht. Das hat klinische Konsequenzen auf die Diagnostik und Therapie von z. B. Schlafapnoe-Patienten mit Herzproblemen.

Es war bereits bekannt, dass Entzündungswerte und andere kardiale Parameter wie BNP oder CKMB im Serum bei Patienten mit Herzinsuffizienz (HI) und schlafbezogenen Atmungsstörungen (z. B. obstruktive Schlafapnoe, OSA) erhöht sein können (im Vergleich zu Herzinsuffizienz- Patienten ohne eine Atmungsstörung). Nun wurden in Bad Oeynhausen von Spießhöfer J. et al. (Abstract 48) 39 Patienten mit KHK oder Herzinsuffizienz, die zudem eine moderate bis schwere schlafbezogene Atmungsstörung aufwiesen, untersucht. Ihnen wurde vor und nach einer Nacht, während derer sie mittels PAP behandelt wurden, Blut abgenommen (PAP= positive airway pressure; entweder CPAP-Beatmung oder adaptive Servoventilation, ASV).

CK und hsCRP signifikant besser durch CPAP

77% waren Männer, der BMI lag im Durchschnitt bei 31 kg/m2, 62% waren Diabetiker, 82% wiesen eine KHK auf und 10% waren in NYHA III oder IV eingestuft. Die nächtliche Beatmungstherapie konnte den Schlaf wie erwartet signifikant bessern (von 36 auf 11/Std. gesenkter Apnoe-Hypopnoe-Index, AHI). Es verbesserten sich aber auch Blutwerte signifikant: CK (von 126 auf 111 U/l) und hsCRP (von 0,48 auf 0,43 mg/dl). Einen (nichtsignifikanten) Trend zugunsten der nächtlichen Beatmungstherapie zeigten BNP und Troponin.

Die Beatmungsbehandlung von Patienten mit kardialen Erkrankungen und schlafbezogenen Atmungsstörungen kann kardiale Blutmarker bereits nach der Anwendung über eine Nacht signifikant verbessern. Das untermauert die Wichtgkeit z. B. einer CPAP-Therapie bei Herzinsuffizienz- Patienten mit OSA.

Schlafapnoe und NT-proBNP

In einer weiteren Studie wurde der kardiale Marker NT-proBNP untersucht (Weinreich G. et al., Abstract 50). Zur Assoziation dieses für kardiale Belastung typische Peptid mit der OSA gab es bislang nur Daten aus kleinen Kohorten. Nun wurden über 1500 Patienten ohne kardiale Vorerkrankungen (ohne KHK, Apoplex, Vorhofflimmern) und mit OSADiagnostik analysiert (AHI ≥15/Std.).
25% wiesen eine OSA auf (medianer AHI 7/Std.). Der NT-proBNP-Spiegel war bei OSA-Patienten generell signifikant höher. Allerdings verloren die Daten bei Adjustierung um Alter, Geschlecht, BMI und Hypertonus knapp ihre Signifikanz (p=0,07). Altersstratifiziert zeigte sich dennoch, dass der Herzmarker signifikant bei Patienten ≥65 Jahre mit OSA assoziiert war.
Herz und Schlaf hängen also offenkundig zusammen. Besonders bei Patienten, die eine schlafbezogene Atemstörung wie OSA und zudem kardiale Probleme aufweisen, sollte man auf eine suffiziente Therapie der OSA achten – das nützt auch dem Herzen. CB
Quelle:

23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) e.V., Mainz, 3.-5.12.2015

ICD-Codes: G47.3
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