Statistik in der Notaufnahme | Praxis-Depesche 6/2016

Immer mehr Hypotoniker

Liegt bei Einlieferung in die Notaufnahme ein zu niedriger Blutdruck vor, kann das für einen kritischen Zustand des Patienten sprechen. Aktuelle Daten zu der Entwicklung der Hypotonie-Inzidenz zeigen einen gefährlichen Trend.

An einem dänischen Krankenhaus erfassten Forscher alle erwachsenen Patienten, die zwischen Januar 2000 und Dezember 2011 erstmalig mit einem systolischen Blutdruck ≤100 mmHg in der Notaufnahme vorstellig wurden. Insgesamt traf dies auf 1% aller in dieser Zeit behandelten Patienten zu (4555 von 438 198). Im Mittel waren die hypotonen Patienten 68 Jahre alt und wiesen einen Blutdruck von durchschnittlich 91 mmHg auf. 26% von ihnen wiesen bei ihrer Präsentation mehrere Komorbiditäten auf (Charlson Comorbidity Index ≥2).
Bezogen auf den gesamten Studienzeitraum betrug die Hypotonie-Inzidenzrate 125 pro 100 000 Patientenjahre. Zwischen 2000 und 2011 nahm die jährliche Inzidenzrate insgesamt um 28%, von 113 auf 152 pro 100 000 Patientenjahre zu. Dabei blieb die Inzidenzrate zunächst recht stabil und nahm erst zwischen 2008 und 2011 stark zu. Die höchste Inzidenzrate wiesen Männer im Alter von über 80 Jahren auf (797 pro 100 000 Patientenjahre). Die Gesamtmortalität nach 90 Tagen lag im Mittel bei 28%. Verglichen mit Patienten, deren Blutdruck zwischen 90 und 100 mmHg lag, hatten jene mit einem Blutdruck ≤80 mmHg eine signifikant höhere Mortalität nach 90 Tagen (21 vs. 44%; p<0,001). Folglich sollte man das Vorliegen einer Hypotonie bei der Präsentation in der Notaufnahme als kritisches Zeichen werten. OH

Quelle:

Holler JG et al.: Increasing incidence of hypotension in the emergency department; a 12 year population-based cohort study. Scand J Trauma Resusc Emerg Med 2016; 24: 20

ICD-Codes: I95.8

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