Masern | Praxis-Depesche 12/2019

Impfmüdigkeit ist gefährlich

Masernviren gehören zu den höchst ansteckenden humanen Pathogenen. So kommt es durch einen Masernfall auf 100 % einer infektionsanfälligen Bevölkerungsgruppe im Mittel zu 12 bis 18 Folgeinfektionen. Eine Zwei-Dosen-Masernimpfung gilt als Standardprävention gegen Masern.
Zur Ausrottung von Masern bedarf es des Erreichens und der Aufrechterhaltung eines hohen Impfschutzes in der breiten Bevölkerung. In den USA versucht man durch Impfvorschriften für Kindergarten- und Schulbesuche, durch hochsensible Laborüberwachungssysteme sowie durch rasche Ausbruchsdetektion und schnelle Reaktion auf Krankheitsausbrüche dies zu erreichen.
Die hohe Zahl an Masernfällen in 2019 in den USA wurde durch die letzten drei Ausbrüche in dichtbesiedelten Gebieten mit schwachem Impfschutz im Bundesstaat Washington und New York erklärt. Verantwortlich dafür wurde die Einschleppung der Infektion durch Reisende aus Ländern mit Masernausbrüchen, wie Israel, der Ukraine und den Philippinen, aber auch unzureichenden Informationen über die Sicherheit des Masernimpfstoffes gemacht.
Neben der Feststellung der klinischen Masernsymptome werden labordiagnostische Methoden, wie Nachweis des Masernvirus spezifischen IgM-Antikörpers (Sensitivität 83 bis 89 %; Spezifität 95 bis 99 %) sowie die Real-Time-quantitative-PCR (PCR; Polymerase-Kettenreaktion) zum Nachweis der Virus Ribonukleinsäure genutzt (Sensitivität 94 %, Spezifität 99 %). Alle Krankheitsfälle sowie auch Verdachtsfälle müssen sofort den entsprechenden Gesundheitsbehörden gemeldet werden, so dass diese Maßnahmen zur Minimierung der Verbreitung des Virus ergreifen können.
Da zur Behandlung einer Masernerkrankung keine spezifischen anti-viralen Mittel zur Verfügung stehen, wird in erster Linie eine unterstützende symptomatische Therapie empfohlen, wobei auf mögliche sekundäre bakterielle Infektionen zu achten ist und diese dann antibakteriell zu behandeln sind. Bei schwierigen Masernfällen bei Kindern empfiehlt die American Academy of Pediatrics eine Hochdosis Vitamin-A-Therapie. Patienten mit Masern sind vier Tage vor bis vier Tage nach Auftreten des charakteristischen Ausschlags infektiös und demzufolge isoliert zu behandeln. Bei Personen, die Kontakt zu infizierten Patienten hatten, kann eine Masernimpfung bis 72 Stunden oder die Gabe von Immunglobulin-Gabe bis sechs Tage nach Kontakt den Ausbruch der Krankheit verhindern bzw. diese abschwächen.
Als Prävention empfiehlt die WHO die Zwei-Dosen-Masernimpfung begonnen mit der ersten im Alter von zwölf Monaten. Ärzte sollten bei Patienten mit Fieber und Ausschlag vor allem bei nicht nachweisbarer Masernimpfung oder bei vorangegangenen Auslandsreisen die Möglichkeit einer Maserninfektion mit in Betracht ziehen. Obwohl die große Mehrheit an Maserninfektionen immer noch in Ländern mit schwachem Gesundheitssystem zu verzeichnen ist, hat die WHO die Impfmüdigkeit als eine der zehn größten Gesundheitsgefahren in 2019 definiert. GH
Quelle: Strebel PM et al.: Measles. N Engl J Med. 2019 Jul 25;381(4):349-357; doi: 10.1056/NEJMcp1905181

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