| Praxis-Depesche 14/2007

In der Inselregion wohnt die Sucht

Den meisten Rauchern fällt das Aufhören schwer; Rückfälle sind häufig. Es gibt Hinweise, dass die Inselregion des Gehirns hier eine wichtige Rolle spielt.

In eine Studie wurden 19 Raucher aufgenommen, die eine erworbene Hirnschädigung im Inselbereich aufwiesen; 50 Raucher mit einer Hirnschädigung in anderen Regionen dienten als Kontrollgruppe. Die Rauchgewohnheiten wurden analysiert. Es wurde die Frage gestellt: Warum hören Patienten mit dem Rauchen auf? Eine Ursache ist die Furcht vor negativen gesundheitlichen Folgen; bei 16 Patienten aber kam es zu einem plötzlichen Ende des Suchtverhaltens unmittelbar nach der Hirnschädigung; sie verspürten auch später keinen Drang mehr nach einer Zigarette. Diese Patienten hatten ausnahmslos eine Schädigung der Inselregion erlitten. So lag der Schluss nahe, dass die Insel einen der Bezirke im Gehirn darstellt, die für das Suchtverhalten verantwortlich sind. Die Hintergründe sind noch unklar. Ein Patient, der einen Schlaganfall im Bereich des linken Inselgebietes erlitten hatte, gab an, sein Körper habe kein Verlangen mehr nach Zigaretten gehabt. Möglicherweise spielt die Insel also eine Rolle bei physischen Abhängigkeiten. – Daraus könnten sich therapeutische Optionen ergeben. (JW)


Quelle: Naqvi, NH: Damage to the insula disrupts addiction to cigareete smoking, Zeitschrift: SCIENCE, Ausgabe 315 (2007), Seiten: 531-534

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