Reisen in der Schwangerschaft | Praxis-Depesche 6/2018

Langstreckenflug im dritten Trimenon?

Die meisten kommerziellen Fluggesellschaften erlauben Schwangere nur bis zur 36. Schwangerschaftswoche (SSW) an Bord. Die Gefahr für den Fetus ist selbst während mehrstündigen Flugreisen aber wahrscheinlich eher gering.

Selbst auf dem längsten Interkontinentalflug werden lediglich 15% der empfohlenen maximalen Strahlenexposition von 1 mSv pro Jahr erreicht. Gedanken um die Strahlungseinwirkung müssen sich also lediglich Vielflieger und das Flugpersonal machen. Um zu untersuchen, welche anderen Auswirkungen ein Langstreckenflug im dritten Trimester haben kann, schickten US-Forscher 112 Schwangere (SSW 34 bis 37) auf einen Transatlantikflug, der zwischen acht und 15 Stunden dauerte.
15% der Frauen gaben vermehrt fetale Bewegungen beim Takeoff an, 5,4% während des Fluges. Mögliche Ursachen dafür sind der Geräuschpegel im Flieger, der während Start und Landung am höchsten ist, und der bei den Feten eine Aufwach- oder Schreckreaktion auslösen könnte, sowie Angstgefühle der Mutter. Der reduzierte O2-Partialdruck ist für die Feten vermutlich kein Problem. Da fetales Hämoglobin stärker O2-affin ist als Erwachsenen-Hämoglobin, kann das Kind die reduzierte Sauerstoffzufuhr leichter ausgleichen. Bei Schwangeren mit kardiovaskulären Problemen, Sichelzellerkrankung oder Anämie kann es aber dennoch, so die Autoren, zu Komplikationen kommen.
Gänzlich unbeeindruckt blieben die Feten von dem Langstreckenflug nicht. Zwölf Stunden nach dem Flug war die Zahl der nichtreaktiven NST (non-stress-test) und der Herzfrequenz-Dezelerationen bei den Feten erhöht. Nach 24 Stunden waren die Parameter aber wieder auf Normalniveau gesunken. OH
Quelle:

Petrikovski B et al.: Transatlantic air travel in the third trimester of pregnancy: does it affect the fetus? Am J Perinatol Rep 2018; 8: e71-3

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