Schimmel in Innenräumen | Praxis-Depesche 6/2018

Nach Leitlinie diagnostizieren

Für das internationale Publikum hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ihre S2k-Leitlinie zur Diagnostik einer Schimmelpilzexposition in Innenräumen in abgekürzter Form auf Englisch publiziert.

Das Wachstum von Schimmelpilzen in bewohnten Räumen gilt als potenzielles Gesundheitsrisiko. Man kennt die allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA), Mykosen durch Schimmelpilze und Zusammenhänge zwischen feuchtigkeitsbedingten Schimmel-Schäden und allergischen Atemwegserkrankungen, Asthma, allergischer Rhinitis, hypersensitiver Pneumonitis und erhöhtem Risiko für Atemwegsinfektionen bzw. Bronchitis.
Das Infektionsrisiko und das Sensibilisierungspotenzial von Schimmelpilzen, die häufig in Innenräumen vorkommen, sind relativ gering. Toxische Reaktionen sind nur bei Toxin-produzierenden Pilzen möglich. Diesbezüglicher Schutz ist aber angebracht für Personen unter Immunsuppression und solchen mit Mukoviszidose oder Asthma.
 
Praktisches Vorgehen
 
Bei der Anamneseerhebung wegen fraglicher Schimmelprobleme sollten neben der Ermittlung der Exposition und der Definition der physischen Beschwerden auch psychische und soziale Aspekte ins Auge gefasst werden. Bei der körperlichen Untersuchung sollte besondere Aufmerksamkeit den Konjunktiven, den oberen Atemwegen und der Haut gelten. Die Differenzialdiagnostik hat bei vermuteter Pilz-Ätiologie von Symptomen hohe Priorität.
Bei der Abklärung von Allergien können die Bestimmung von spezifischem IgE oder IgG indiziert sein. Wird über IgE eine Sensibilisierung nachgewiesen, bedeutet das aber nicht zwingend eine Allergie. Verschiedene andere serologische Tests und zelluläre Assays haben meist eng begrenzte Indikationen. Mehr praktischen Wert haben meist Provokationstests, insbesondere Hauttests. Zu systemischen Mykosen gibt es eine spezielle Leitlinie.
 
Therapie, Prävention
 
Die Exposition von Hochrisiko-Patienten muss schnellstmöglich minimiert werden. Bei Schimmel-Allergie richtet sich die Therapie nach den organspezifischen Manifestationen. Eine spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) sollte baldmöglichst eingeleitet werden, vor allem wenn medikamentöse Therapie und Allergen-Vermeidung nichts ausgerichtet haben. Das verantwortliche Schimmel-Allergen muss dazu eindeutig identifiziert, eine spezifische IgE-Sensibilisierung nachgewiesen sein. Die Expositionsprophylaxe basiert auf der Sanierung schimmelbefallener Räume. Parallel dazu sollte mit Medikation die Manifestation der Allergie vermieden werden. WE

Quelle:

Wiesmüller GA et al.: Abridged version of the AWMF guideline ... Allergo J Int 2017; 26: 168-93

ICD-Codes: B44.1

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