Politiker zum Ärztemangel auf dem Land | Praxis-Depesche 9/2018

Personal statt Technik

Die Primärversorgung ist in Deutschland, vor allem in ländlichen Gebieten, nach wie vor dürftig. Daher wird dringend nach Lösungen für dieses Problem gesucht. Eine Umfrage unter Lokalpolitikern in Niedersachsen zeigt diesbezüglich eine klare Tendenz.

Junge Ärzte ziehen heute oft die sicheren Arbeitsstrukturen in städtischen Gesundheitszentren und Krankenhäusern einem Niederlassen in ländlichen Gebieten vor. Gerade dort wohnen aber immer mehr ältere Leute, die häufiger einen Arzt benötigen, oft aber Schwierigkeiten haben, einen zu finden bzw. mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem zu gelangen. Um das Problem anzugehen, lud man im Bundesland Niedersachsen 449 Lokalverantwortliche auf Gemeinde- und Kreisebene postalisch zu einer Umfrage ein. Darin sollten die politischen Vertreter angeben, welche der folgenden vier Lösungsansätze sie für sinnvoll hielten: lokale Unterstützung durch medizinische Helfer, Patientenbusse, mobile Arztpraxen oder telemedizinische Lösungen.
Die Mehrheit der insgesamt 292 Bürgermeister und 31 Landräte gab an, mit der bisherigen Situation insgesamt recht zufrieden zu sein. Knapp drei Viertel der Befragten befürworteten die Lösung, den lokalen Ärtzemangel durch ausgebildete medizinische Helfer auszugleichen, knapp die Hälfte begrüßte die Idee der Patientenbusse. Dagegen sprachen sich nur 22% für mobile Arztpraxen und 13,9% für Telemedizin aus. Im medizinischen Hilfspersonal sahen die Politiker die größte Chance auf eine Entlastung der Ärzte. Telemedizin begegnete man eher mit Skepsis. OH

Quelle:

Kuhn B et al.: Which strategies might improve local primary healthcare in Germany? An explorative study from a local government point of view. BMC Fam Pract 2017; 18(1):105

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