Funktionell-gastrointestinale Störungen

Praxis-Depesche 9/2020

Phytotherapie verbessert Lebensqualität

Die Pathophysiologie von funktionellen gastrointestinalen Störungen (FGIDs) ist noch unklar. Eine Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität (QoL) ist allerdings schwer allein nur mit den zielgerichteten Behandlungen zu erreichen.
Kräuterpräparate und Pfefferminzöl als komplementäre Behandlung gelten zur Behandlung der FGIDs als relativ sicher und zeigten in kontrollierten Studien vergleichbare Wirksamkeit. So können unter anderem die Magen- und Darmmotilität reguliert und Entzündungen sowie die Magensäureproduktion reduziert werden.
Diese komplexe Symptomatik wird bei Patienten mit funktionaler Dyspepsie (FD) allerdings nicht immer beobachtet, weshalb die therapeutischen Wirkungen auf die Motilität und andere Funktionen des GI-Trakt nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Symptome bei FD führen müssen. In-vitro-Studien und klinische Studien weisen beispielweise darauf hin, dass Pfefferminzöl (PMO) Reizdarm- Symptome, hauptsächlich Bauchschmerzen, durch die Entspannung der glatten Muskulatur im Darm zu lindern scheint. Bei anderen funktionellen gastrointestinalen Störungen scheint jedoch der Nutzen von Pfefferminzöl noch, aufgrund fehlender zuverlässiger präklinischer und klinischer Daten, unklar. Darüber hinaus sind relativ unklare Wirkmechanismen der Wirkstoffe, nicht standardisierte Formulierungen und nicht identifizierte unerwünschte Ereignisse derzeit erhebliche Herausforderungen für den Einsatz zur Behandlung von FGIDs.
Nach einer Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (112) war beispielsweise die Wirkung von Rikkunshito (RKT, eine traditionelle japanische Formulierung) auf die Behandlung von FD besser als prokinetische Medikamente, wenngleich es an klinisch signifikanten Studien mangelte. Dennoch konnten die Grundlagenforschung und klinische Studien aufzeigen, dass RKT die Clearance der Speiseröhre verbessert sowie die Motilität und Magenentleerung fördert. Mehrere Studien haben ebenfalls gezeigt, dass auch koreanische Kräuterrezepturen wie DA-9701 die Magenentleerung und die Antrummotilität erhöhte. Basierend auf diesen Ergebnissen zeigten klinische Studien bei Patienten mit FD, dass DA-9701 zur Verbesserung der FD-Symptome, im Vergleich zu Itoprid oder PPI, nicht schlechter abschnitt. Die Rolle von Kräutertherapien bei FGIDs ist noch unklar, weshalb es gut konzipierter klinischer Studien bedarf. Sie spielen jedoch eine große Rolle zur Ergänzung und als Alternativmedizin und können bei refraktären Patienten Einsatz finden. Die Entwicklung verschiedener vielversprechender Kräuterpräparate können helfen, die Lebensqualität von Patienten mit FGIDs zu verbessern. DM
Quelle: Kim YS et al.: Herbal therapies in functional gastrointestinal disorders: a narrative review and clinical implication. Front Psychiatry 2020; 11: 601
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