Paroxysmales Vorhofflimmern | Praxis-Depesche 12/2007

"Pill-in-the-pocket-Konzept" kann Dauermedikation ersetzen

Die Konversion in den Sinusrhythmus ist primäres Therapieziel beim Vorhofflimmern. Ein noch relativ neues Verfahren im Rahmen der Pharmakotherapie stellt das „pill-in-the-pocket-Konzept“ dar.

Die aktuellen ESC-Leitlinien empfehlen das klassische IC-Antiarrhythmikum Flecainid bei der Therapie von Patienten mit Vorhofflimmern ohne strukturelle Herzkrankheit als Mittel der ersten Wahl. Es eignet sich auch zur sog. „pill-in-the-pocket-Therapie“, so Prof. B. Lüderitz, Bonn, eine beim paroxysmalen Vorhofflimmern viel versprechende Therapieoption. Das Prinzip ist einfach: Muss­ten Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern bisher täglich ein Antiarrhythmikum einnehmen, ist die Einnahme bei diesem neuen Konzept nur noch bei einer Flimmerepisode erforderlich. Das Medikament – z. B. Flecainid (200 bis 300 mg) – muss innerhalb von 5 min nach Auftreten von Palpitationen eingenommen werden; dabei sollte der Patient sitzen oder liegen. In der Regel ist der Sinusrhythmus innerhalb von ein bis zwei Stunden wieder hergestellt. Bleibt das Vorhofflimmern länger als sechs bis acht Stunden bestehen, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Die Ergebnisse einer Studie zum „pill-in-the-pocket-Konzept“ präsentierte Prof. S. Willems, Hamburg. 210 ambulante Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern kamen in den Genuss dieser neuen Therapieoption, entweder mit Flecainid (300 mg) oder Propafenon (600 mg).

Während des 15-monatigen Follow-up wurden bei 165 Patienten 618 Episoden registriert. 569 (92%) setzten das neue Therapiekonzept ein, das bei 534 Episoden (94%) erfolgreich war: Die Symptome verschwanden nach durchschnittlich 113 min. Bei 139 Patienten (84%) konnten alle Par­oxysmen mit der pill-in-the-pocket-Therapie erfolgreich behandelt wer­den. (GS)


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