Atherosklerose | Praxis-Depesche 16/2005

Plaque-Aktivierung löst Koronarischämie aus

Nach neueren Forschungsergebnissen spielen entzündliche Prozesse eine Schlüsselrolle bei KHK und anderen Manifestationen der Atherosklerose. Eine Übersicht aus Schweden zeigt, wie dabei Immunmechanismen mit metabolischen Risikofaktoren interagieren und Gefäßläsionen auslösen und aktivieren.

Früher glaubte man, dass die zunehmende Lumenverengung durch Einwachsen glatter Muskelzellen in atherosklerotische Plaques die Hauptursache eines Myokardinfarkts sei. Angiographien zeigten jedoch auslösende Läsionen ohne nennenswerte Stenosen; offenbar ist eher die Aktivierung der Plaques denn die Stenose Auslöser von Ischämie und Infarkt. Zwar können Koronarspasmen mit beteiligt sein, doch Hauptschuldiger ist in den meisten Fällen ein Thrombus auf einer Plaque. Bei einer Plaque-Ruptur werden Phospholipide, Gewebefaktoren und plättchenaggregierende Matrixmoleküle ins Blut freigesetzt. Immunzellen in der Plaque-Umgebung, die inflammatorische Moleküle und proteolytische Enzyme produzieren, sind für die Plaque-Ruptur verantwortlich. Initiiert wird die Plaque-Bildung durch Lipoprotein-Retention und Aktivierung von Immunzellen in der Arterienwand. Blutplättchen und -zellen lagern sich an. Chemokine stimulieren ihre Wanderung in den subendothelialen Raum. Monozyten dringen in die Plaque ein und bilden sich zu Makrophagen aus; dies ist der entscheidende Schritt in der Atherosklerose-Entstehung, verbunden mit der Hochregulierung von Scavenger-Rezeptoren und Toll-like-Rezeptoren. Von Makrophagen und dendritischen Zellen präsentierte Antigene triggern die Aktivierung Antigen-spezifischer T-Zellen in den Arterien. Diese produzieren Th1-Zytokine (z. B. Interferon gamma), die Makrophagen und Gefäßzellen aktivieren, was zur Entzündung führt. Als protektive regulatorische Faktoren wirken u. a. die zwei antiinflammatorischen Zytokine IL-10 und der transformierende Wachstumsfaktor TGF-beta. Die Balance zwischen inflammatorischer und Gegen-Aktivität kontrolliert das Fortschreiten der Atherosklerose. Stoffwechselfaktoren können in diesem Prozess mitspielen, z. B. über die Lipidablagerung in den Arterien oder die Produktion inflammatorischer Zytokine im Fettgewebe Adipöser mit metabolischem Syndrom. Auch Infektionen tragen evtl. zur Bildung oder Verstärkung einer Atherosklerose bei und können somit eine KHK mit auslösen. Erfolge mit dem Einsatz von Antibiotika gegen C. pneumoniae wurden jedoch nicht erzielt. Therapie-Optionen, die sich aufgrund dieser Erkenntnisse bieten könnten, sind Gabe von Immunsuppressiva oder Entzündungshemmern sowie Impfungen mit oxidiertem LDL, mit modifizierten Phospholipiden oder Hitzeschock-Protein-60. (EH)

Quelle: Hansson, GK: Imflammation, Atherosclerosis, and coronary artery disease, Zeitschrift: NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE, Ausgabe 352 (2005), Seiten: 1685-1695

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