Kälteurtikaria | Praxis-Depesche 5/2019

Symptomatik – Diagnostik – Therapie

Bei der Kälteurtikaria bilden sich nach Kontakt mit kalter Luft, kalter Flüssigkeit oder kalten Gegenständen juckende Quaddeln auf der Haut. Kanadische Wissenschaftler haben untersucht, welche typischen Charakteristika die Betroffenen aufweisen und welche diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Mit einer Prävalenz von 0,05 % in Europa ist die Kälteurtikaria eine seltene Erkrankung, berichten die Forscher von der University of British Columbia in Vancouver. Sie betrifft hauptsächlich junge Menschen – insbesondere Frauen – und verläuft in der Regel nach einigen Jahren selbstlimitierend. Meist tritt die Symptomatik lokal begrenzt auf, schwere systemische Reaktionen sind allerdings nicht ausgeschlossen. Die Wissenschaftler werteten die Daten von 50 Patienten aus, die zwischen 2003 und 2016 im Alter zwischen zwei und 62 Jahren aufgrund einer Kälteurtikaria an einer allergologischen Praxis in Vancouver behandelt worden waren.
 
Häufig mit Begleiterkrankung
 
70 % der Studienpatienten waren Frauen und 32 % litten an einer weiteren physikalischen Urtikaria, beispielsweise einer cholinergen (Auslöser: körperliche Belastung, Wärme) oder dermografischen Urtikaria (Auslöser: Kratzen, Reiben). Einige Patienten berichteten über anaphylaktische Reaktionen oder ein begleitendes Angioödem und mehr als die Hälfte litt an weiteren allergischen Manifestationen, beispielsweise einer Rhinokonjunktivitis oder einem Asthma. Ein Patient hatte die Kälteurtikaria nach einem Insektenstich und zwei Patienten nach einem Infekt (EBV bzw. Pneumonie) entwickelt. In drei Fällen bestand eine positive Familienanamnese. Der Provokationstest mittels Eiswürfel fiel nur bei rund 85 % der getesteten Personen positiv aus. Fast alle Patienten nahmen Medikamente ein, meist nicht sedierende Antihistaminika. Zweitlinientherapeutika, beispielsweise Omalizumab, H2-Rezeptorantagonisten sowie Natriumcromoglycin, wendeten dagegen nur wenige Patienten an.
Die Kälteurtikaria ist ein komplexes Krankheitsbild, das häufig von weiteren Urtikariaformen sowie atopischen Erkrankungen begleitet wird, schließen die Forscher. Neben der idiopathischen, möglicherweise genetisch prädisponierten Form sind sekundäre Manifestationen, beispielsweise nach Insektenstichen, Infektionen oder auf der Basis einer Kryoglobulinämie, beschrieben. Die Diagnostik liefert nicht selten widersprüchliche Ergebnisse. Therapeutisch steht neben der Vermeidung der Kälteexposition primär die Behandlung mit nicht sedierenden Antihistaminika im Vordergrund. LO
Quelle:

Stepaniuk P et al.: Review of cold-induced urticaria characteristics, diagnosis and management ... Allergy Asthma Clin Immunol 2018; 14: 85

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