60th ASH Annual Meeting | Praxis-Depesche 5/2019

Therapie-Deeskalation – AML-Subtypisierung – Darmflora

Im Rahmen der 60. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in San Diego wurden neue Daten zur Therapie hämatologischer Neoplasien und zur Bedeutung der Darmflora für das Komplikationsrisiko nach einer Stammzelltransplantation vorgestellt.

Die FLYER-Studie untersuchte, ob bei Patienten mit diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL) und altersadjustiertem International Prognostic Index von 0 ohne „bulky disease“ eine Deeskalation der First-line-Therapie mit sechs Zyklen R-CHOP 21 ohne Wirksamkeitseinbuße machbar ist. Denn diese Patienten haben laut der MInT-Studie unter dieser Standardtherapie eine exzellente Prognose mit einer Dreijahresrate von 95 % für das progressionsfreie Überleben (PFS), erläuterte Dr. Viola Poeschel, Homburg/Saar.
Für FLYER wurden 592 DLBCL-Patienten im Stadium I/II mit sechs Zyklen R-CHOP 21 oder mit vier Zyklen R-CHOP 21 und zwei Zyklen Rituximab allein behandelt. Beide Therapien erwiesen sich nach median 66 Monaten beim primären Endpunkt PFS als äquieffektiv: Die Dreijahresrate war mit 94 % im Kontrollarm und 96 % bei deeskalierter Therapie vergleichbar. Auch beim Gesamtüberleben (OS) gab es mit 98 % respektive 99 % keinen signifikanten Unterschied. Das deeskalierte Regime war aber weniger toxisch: Leukopenien, Anämien und nicht-hämatologische Nebenwirkungen waren im Vergleich zu sechsmal R-CHOP 21 um rund ein Drittel reduziert.
 
Personalisierte AML-Therapie
 
In der Multicenter-Studie Beat AML hat sich die rasche genetische Subtypisierung innerhalb von maximal sieben Tagen und die darauf basierende Therapiewahl bei neu diagnostizierten Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) als machbar und sinnvoll erwiesen. Dr. Amy Burd, New York, stellte vorläufige Daten von 356 in zwölf US-Zentren rekrutierten AML-Patienten vor. Voraussetzung für die Studienaufnahme ist ein genomisches Screening, primärer Endpunkt die Initiierung einer auf die Testung abgestimmten Therapie innerhalb von maximal sieben Tagen nach AML-Diagnose.
Bislang konnten 285 AML-Patienten erfolgreich genetisch typisiert werden und die Mehrheit dieser Patienten (95,8 %) konnte innerhalb der geforderten sieben Tage einer personalisierten Therapie zugeteilt werden. 146 Patienten werden bereits im Phase-II-Teil der Studie mit der auf ihren AML-Subtyp abgestimmten Therapie behandelt. Eingesetzt werden experimentelle Substanzen wie den SYK-Inhibitor Entospletinib, den Nedd8-Inhibitor Pevonedistat und den monoklonalen Anti-CD33-Antikörper BI 836858 sowie die von der FDA zugelassenen Medikamente Enasidenib und Gilteritinib. Die ersten Studien mit BI 836858 plus Azacitidin und mit Enasidenib bei IDH2-mutierten Patienten wurden bereits abgeschlossen. Allerdings musste eine Phase-I-Studie mit Samalizumab zusätzlich zur Induktionstherapie abgebrochen werden. Zudem werden ständig neue Therapieprotokolle initiiert; der Anteil von AML-Patienten, die einer personalisierten Therapie zugeordnet werden, wächst.
 
Darmflora beeinflusst Transplantationserfolg
 
Die häufigsten Todesursachen nach einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSZT) sind Rezidive, Infektionen, Organtoxizitäten und Graft-versus-Host-Disease. Das Risiko für diese Komplikationen wird stark durch die Zusammensetzung der Darmflora bestimmt, informierte Dr. Jonathan Peled, New York. Er konnte nachweisen, dass das Vorhandensein von Bakterien wie Barnesiella und Bacteroidetes nach allogener HSZT das Outcome der Transplantation günstig beeinflusst. Dagegen geht das Vorkommen von Enterobacteriaceae oder Staphylococcus mit einer gesteigerten Mortalität und vermehrten pulmonalen Komplikationen einher.
Die Analyse von > 7.000 Stuhlproben von fast 1.000 Patienten aus den USA, Europa und Japan zeigt jetzt, dass auch die Zusammensetzung des intestinalen Mikrobioms vor der Transplantation den Therapieerfolg bestimmt. Bei Patienten mit geringer Diversität der Darmflora vor dieser Maßnahme war das Überleben im Vergleich zu Patienten mit hoher bakterieller Diversität deutlich verkürzt. Die Assoziation zwischen Diversität und Überleben war unabhängig von der Herkunft der Patienten. Prinzipiell waren der Artenreichtum der Darmflora ebenso wie die nachgewiesenen Bakterienarten bei allen Patienten – ob aus den USA, Europa oder Japan – sehr ähnlich. Auffällig war weiterhin, dass die Diversität des intestinalen Mikrobioms zum Zeitpunkt der Transplantation bei den Patienten aller vier Zentren stark abnahm. Diese Maßnahme scheint das intestinale Mikrobiom daher stark zu schädigen. KA

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