Einzige kausale Therapie bei ADPKD | Praxis-Depesche

Tolvaptan im fortgeschrittenerem Stadium

Aktuelle Daten zu dem selektiven Vasopressin-2-Rezeptor-Antagonisten Tolvaptan in der Therapie der autosomal-dominanten polyzystischen Nierenerkrankung (ADPKD) sprechen für eine gute Wirksamkeit auch im fortgeschrittenerem Stadium. Zudem weisen sie auf eine gute Handhabbarkeit unter Alltagsbedingungen hin.

Im Vergleich zur Zulassungsstudie TEMPO3:4 hatten die ADPKD-Patienten in der aktuellen Studie REPRISE laut Prof. Christian Rosenberg, Berlin, ein höheres Alter (durchschnittlich 41 Jahre) und eine stärker eingeschränkte Nierenfunktion (meist Niereninsuffizienzstadium 3a, 3b oder 4). Trotzdem konnte Tolvaptan – ebenso wie in der TEMPO3:4-Studie – den Nierenfunktionsverlust (gemessen anhand des reziproken Serum-Kreatinin-Spiegels) gegenüber Plazebo signifikant um jährlich 1,2 mg/ml pro Jahr reduzieren (p<0,001). "Die Blutdruckeinstellung war gut gewesen, die meisten Patienten hatten die höchste Dosis Tolvaptan (zweimal täglich: 90+30 mg) erhalten", ergänzte Rosenberg. Die auf dem Wirkmechanismus beruhenden aquaretischen Nebenwirkungen wie Polyurie waren vorhanden, aber laut Rosenberg für mehr als 90% der Patienten tolerabel. Wie aus der TEMPO3:4-Studie bekannt, wurde bei einigen Patienten ein Anstieg der Leberenzymwerte beobachtet. "Hierauf müssen wir achten", hob Rosenberg hervor. Die Leberenzymveränderungen normalisierten sich nach der Unterbrechung oder Absetzen der Tolvaptan-Behandlung wieder.

Prof. Thomas Benzing, Köln, stellte ergänzend die Auswertung einer umfangreichen Datenbank vor. Demnach setzt der Aquarese-Effekt von Tolvaptan bereits bei niedrigerer Dosierung ein und geht bei Dosiserhöhung in ein Plateau über, so dass die Patienten keine weitere Zunahme der entsprechenden Nebenwirkungen fürchten müssen. Zudem ist er reversibel, daher kann die gesteigerte Urinproduktion durch eine Therapiepause, z. B. vor längeren Reisen, zeitnah wieder reduziert werden. Benzing empfahl eine streng salzarme Diät, anfänglich Diuretika zu pausieren und die Therapie am Wochenende zu beginnen, damit sich der Patient darauf einstellen kann. Nach seinen Ausführungen brechen nur 20% der Patienten die Therapie ab – meist innerhalb der ersten Wochen. Rund 60% betrachten laut Benzing die Therapie im Alltag nur selten als belastend, die meisten nehmen die Höchstdosis ein. PE

Quelle:

Symposium:

„Tolvaptan und ADPKD – Neue klinische Daten: Impact auf die Therapie?“, im Rahmen des DGfN-Kongresses 2018, Berlin, 29.9.2018, Veranstalter: Otsuka
Tolvaptan: Jinarc®

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