Bradykardie bei akuten Blutungen | Praxis-Depesche 11/2004

Trotz Anämie schlägt das Herz manchmal langsam

Englische Anästhesisten berichten über drei Patienten, bei denen nach Operationen akute Blutungen auftraten. Trotz Hypovolämie kam es nicht zu Tachykardie, sondern zu Bradykardie. Die Annahme, dass es bei einer Blutung immer auch zu einer Tachykardie kommen muss, ist also nicht richtig.

Bekannte kardiovaskuläre Zeichen bei akutem Blutverlust sind Tachykardie, niedriger Blutdruck und schlechte periphere Durchblutung. Durch die Tachykardie soll der kardiale Output trotz Hypovolämie und erniedrigtem Auswurfvolumen erhalten werden. Bei manchen Patienten mit akutem Blutverlust fehlt der initiale Frequenzanstieg; die Patienten sind trotz Hypotension und Hypovolämie nicht tachykard. Das kann bei den behandelnden Ärzten zu Verwirrung und eventuell sogar zu Fehldiagnosen führen. Das Phänomen wird als relative Bradykardie, Fehlen einer tachykarden Reaktion oder paradoxe Bradykardie bezeichnet. Differenzialdiagnostisch sollte man dieses seltene Phänomen im Kopf haben. (MO)

Quelle: Thomas, I: Bradycardia in acute haemorrhage, Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe 328 (2004), Seiten: 451-453

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