Genitalwarzen | Praxis-Depesche 7/2000

Was Patienten im Beratungsgespräch wissen wollen

Basierend auf einer aktuellen Literaturrecherche formulierten britische Dermatologen Antworten auf Fragen, die von Patienten mit Genitalwarzen häufig gestellt werden. Sie sollen dazu dienen, das Beratungsgespräch zu erleichtern.

Frage 1: Wann verschwinden die Warzen wieder? Bei konsequenter Behandlung bilden sich die Warzen in den meisten Fällen innerhalb von drei Monaten zurück. Frage 2: Wie lange muss ich noch Kondome benutzen, wenn die Warzen verschwunden sind? Die meisten Studien zeigen, dass Kondome die Übertragung von HPV (humanes Papillom-Virus) nicht verhindern. Es spricht einiges dafür, dass regelmäßiger Kondomgebrauch die Heilungsrate sichtbarer und subklinischer Läsionen fördert. Außerdem wird angenommen, dass sichtbare Warzen infektiöser sind als subklinische Läsionen. Demnach sollten Kondome so lange benutzt werden, wie die Warzen sichtbar sind. Danach können Paare, die in ständiger Gemeinschaft leben, Kondome weglassen. Bei häufig wechselnden Partnern empfiehlt sich das Benutzen von Kondomen aus den bekannten Gründen, nicht aber allein wegen der HPV-Infektion. Frage 3: Wie lange bleibe ich infiziert? Die HPV-Infektion verläuft meist asymptomatisch und transitorisch (im Mittel acht bis 15 Monate). Mit zunehmendem Alter und bei einer Infektion mit multiplen HPV-Stämmen oder bestimmten Subtypen (z. B. 16, 18) ist das Risiko einer Persistenz größer. Frage 4: Wie hoch ist mein Rezidivrisiko? Rund 30 bis 60% der Warzen rezidivieren innerhalb von drei Monaten. Die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv sinkt, je länger die Warzen verschwunden sind. Rezidivgefährdet sind besonders Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Frage 5: Kann sich mein neuer Partner infizieren, wenn ich keine sichtbaren Warzen habe? Einiges spricht dafür, dass die Warzen kurz nach ihrer Eruption am infektiösesten sind. Über die Infektiosität subklinischer Infektionen ist wenig bekannt. Aus der hohen Prävalenz von HPV-Infektionen bei jungen, sexuell aktiven Menschen könnte man jedoch schließen, dass die Übertragung vorrangig durch subklinische Infektionen erfolgt. Frage 6: Steckt man sich definitiv nur beim Sex an? Nach gegenwärtigem Kenntnisstand werden die Warzen nur beim Geschlechtsverkehr übertragen. Wie hoch das Risiko einer orogenitalen Übertragung ist, ist ungesichert: Obwohl HPV auch in der Mundhöhle nachgewiesen werden kann, handelt es sich dort in der Regel nicht um die "anogenitalen" Subtypen 6 und 11. Es sind jedoch Fälle bekannt, in denen es beim Partner zu oralen Kondylomen kam. HPV-DNA konnte zwar auf kontaminierten Materialien (z. B. Unterwäsche) nachgewiesen werden; es gibt jedoch keine Anhaltspunkte, dass es auf diesem Wege zu einer Virusübertragung kommen kann. Frage 7: Wer hat mich angesteckt? Manche Patienten suchen nach einem "Schuldigen". Sie sollten auf die sehr variable Inkubationszeit (u. U. Jahre) und auf die allgemein sehr hohe Durchseuchung hingewiesen werden. In der Regel läßt sich der Urheber der Infektion im Einzelfall nicht ermitteln. Frage 8: Wie hoch ist das Krebsrisiko? Es besteht eine bekannte Assoziation zwischen HPV-Infektionen und Zervixkarzinomen. Genitalwarzen werden zu über 90% durch die HPV-Subtypen 6 oder 11 ausgelöst. Bei den "onkogenen" Viren handelt es sich um die Subtypen 16, 18 und andere, die in der Regel nicht mit sichtbaren Warzen assoziiert sind. Das Risiko für eine Infektion mit den Subtypen 16 oder 18 ist bei Frauen mit Genitalwarzen nicht höher als bei Frauen ohne Genitalwarzen. Frage 9: Sind Warzen in der Schwangerschaft ein Problem? Genitalwarzen können während der Schwangerschaft an Zahl und Größe zunehmen. Es besteht ein gewisses Risiko, dass sich das Kind während der Geburt infiziert, was zum Syndrom der rezidivierenden respiratorischen Papillomatose führen kann. Wenn die Warzen groß sind, auf die Therapie nicht angesprochen haben und sie eine vaginale Entbindung erschweren könnten, sollte ein Kaiserschnitt erwogen werden. Während der Schwangerschaft auftetende Warzen können behandelt werden. Sie verschwinden gewöhnlich nach der Entbindung. Podophyllin ist während der Schwangerschaft kontraindiziert. (UB)

Quelle: McOwan, AG: Advising patients with genital warts - a consensus approach, Zeitschrift: INTERNATIONAL JOURNAL OF STD AND AIDS, Ausgabe 10 (1999), Seiten: 619-622

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