Magen-Darm-Blutungen | Praxis-Depesche 1/2018

Bei Niereninsuffizienz schlechtere Prognose!

Akute gastrointestinale Blutungen sind häufig Anlass für Klinikaufnahmen. Nach adäquaten Notfallmaßnahmen sollte eine erschöpfende Abklärung der Ätiologie die Basis für spezifische therapeutische Interventionen schaffen.

Die Prognose hängt bei einem solchen Notfall nicht zuletzt von diversen Begleitumständen ab. Man versucht, den möglichen Verlauf mittels geeigneter Scoring-Systeme abzuschätzen, wie Rockall-Score oder Glasgow-Blatchford- Score. Derartige Skalen unterscheiden allerdings nicht zwischen einer vorbestehenden Niereninsuffizienz und einem akuten Nierenversagen aufgrund der aktuellen Blutung. Man weiß, dass Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) oder mit terminaler Niereninsuffizienz (ESRD) öfter als andere an einer gastrointestinalen Blutung leiden und in einem solchen Fall auch eine höhere Mortalität aufweisen. Um offene Fragen zu diesem Thema zu klären, sichtete eine ungarische Arbeitsgruppe die einschlägige Literatur. Von ursprünglich 1063 Artikeln eigneten sich fünf retrospektive und eine prospektive Studie für die Auswertung. Die Analyse ergab eine erhöhte Mortalität bei CKD (Odds Ratio 1,786) und bei ESRD (OR 2,530), jeweils signifikant. Die Rate an Blutungsrezidiven war bei schlechter Nierenfunktion erhöht (OR 2,510). Im Vergleich zu Kontrollpatienten benötigten solche mit CKD mehr Blutkonserven; außerdem mussten sie länger im Krankenhaus bleiben. Patienten mit CKD oder ESRD tragen auch per se ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Blutungen. Bei solchen aus dem unteren Verdauungstrakt liegen am häufigsten Divertikulose, Hämorrhoiden, ischämische Kolitis und Angioektasien zugrunde. In der vorliegenden Studie handelte es sich ausschließlich um obere Blutungen. Sie stammen v. a. aus peptischen Ulzera, aber auch aus Ösophagusvarizen oder erosiver Ösophagitis bzw. Gastritis. Die pathophysiologischen Zusammenhänge sind noch längst nicht ausreichend aufgeklärt. WE


Quelle:

Hágendorn R et al.: Chronic kidney disease severely deteriorates the outcome of gastrointestinal bleeding: A meta-analysis. World J Gastroenterol 2017; 23: 8415-25

ICD-Codes: K92.2

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