Erhöhtes Karzinomrisiko

Praxis-Depesche 3/2020

Zusammenhang zwischen angeborenen Herzfehlern und Krebs?

Die Inzidenz für angeborene Herzfehler liegt in Deutschland bei etwa 6.500 Fällen pro Jahr. Bei der Versorgung der betroffenen Patienten wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte erzielt, doch Sorge bereitet nun ein mit damit in Zusammenhang stehendes erhöhtes Krebsrisiko, welches in mehreren Studien gezeigt wurde.
So entnahmen Forscher in einer Längsschnittstudie aus einem schwedischen Patientenregister Daten von Patienten, die zwischen Januar 1970 und Dezember 1993 geboren wurden und bei denen ein AHF diagnostiziert wurde. Das durchschnittliche Follow- up lag dabei bei 26,6 Jahren. Bei der Beobachtung von 21.982 Patienten mit angeborenen Herzfehlern und 219.816 gesunden Probanden zeigte sich ein insgesamt doppelt so hohes Karzinomrisiko als in der Gruppe der gesunden Gleichaltrigen. Einige der häufigsten aufgetretenen Krebsarten waren Lymphome, Leukämien und bösartige Neubildungen des Magen-Darm- Trakts. Die genauen Mechanismen für diese erhöhte Inzidenz müssen noch verstanden werden. Eine mögliche Ursache ist die Exposition mit niedrig dosierter ionisierender Strahlung, der Patienten mit Herzfehlern bei der Diagnostik und Therapie unter anderem durch CTScans und Herzkatheter-Untersuchungen ausgesetzt sind. Doch auch Genanomalien im Signalweg der RAS-Mitogen-aktivierten Proteinkinase kommen beispielsweise bei Patienten mit Noonan-Syndrom in Betracht. Was nun folgen muss, sind bessere Screening- und Behandlungsmodelle für diese Patientengruppen. DM
Kommentar
Strahlenexposition – wenngleich auch niedrig dosierte ionisierende Strahlung – können das Krebsrisiko erhöhen
Quelle: Gurvitz M: Increasing evidence for and a word of caution about an association between cancer and congenital heart disease. JAMA Network Open 2019; 2(7): e196756.doi:10.1001/jamanetworkopen. 2019.6756
ICD-Codes: Q24.9
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